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gemacht werde. Und konnt ichs mit dem Papſt und Papiſten fo weit bringen, wie wollt ich Gott danken, und ſo froͤhlich ſein? Und wenn mir der Papſt dieſe Stuͤcke frei ließe gehen und pre— digen, und hieße mich(mit Urlaub) eine Bruch umbhaͤngen, ich wollts ihm zu Gefallen tragen. Was aber antrifft die Elevation des Sacraments in der Meſſe, weil ſolche Ceremonia auch frei iſt, und dem chriſtlichen Glauben hieraus keine Gefahr entſtehen kann, wo nicht ander Zuſatz geſchicht, moͤget ihrs in Gottes Na— men aufheben, wie lange man es haben will. Daß wir aber das Aufheben hier zu Wittenberg abgethan, haben wir Urſach gnug gehabt, die vielleicht ihr zu Berlin nicht habt. Wir wol— lens auch nicht wieder aufrichten, wo nicht andere ſonderliche Noth fuͤrfaͤllet, daß wirs thun muͤſſen; denn es iſt ein frey Ding, und menſchlicher Andacht Ordnung, und nicht Gottes Gebot. Denn Gottes Gebot iſt allein noͤthig, das ander iſt free *).
Buchholzer begnuͤgte ſich mit dieſer Antwort; aber mehrere andere evangeliſche Geiſtliche wollten ſich dadurch nicht zufrieden ſtellen laſſen, ſondern legten ſogar ihre Aemter nieder. Es waͤre freilich beſſer geweſen, wenn der Kurfuͤrſt auf dieſe aͤußerlichen Dinge, die er ſelbſt fuͤr gleichguͤltig erklaͤrte, nicht ein ſo großes Gewicht gelegt haͤtte; aber da er es einmal that und ſeiner reli— gioͤſen und politiſchen Ueberzeugung nach es thun mußte, ſo ge— reichte ſeine Beharrlichkeit gewiß zum Vortheil unſers Landes. Es kam wirklich nicht darauf an, daß hinſichtlich der kirchlichen Formen alles gerade ſo eingerichtet und behandelt wurde, wie es zu Wittenberg geſchah. Da Formen und Gebraͤuche von vorn herein nur eine temporäre Beſtimmung haben, fo war zu erwar— ten, und es iſt wirklich geſchehen, daß die evangeliſche Kirche im Laufe der Zeit die Schlacken, welche ſich noch aus dem Mittel— alter her in ihr erhalten hatten, ausſtoßen und eine ihrer innern Natur entſprechende äußere Geſtaltung allmählig ſich aneignen würde, Allein dies wollten die maͤrkiſchen Geiſtlichen des ſech, zehnten Jahrhunderts nicht einſehen und beſtuͤrmten daher den ——
*) Luthers Briefe, geſammelt von de Wette, 5, 235.— Seckendorfs diſtorie des Lutherthums, S. 180.