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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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Kurfuͤrſten unaufhoͤrlich mit Vorſtellungen, daß die Gemeinden unzufrieden ſeien mit der Beschränkung ihrer Freiheit, welche ihnen die Kirchenordnung hinſichtlich der Gebräuche und Ceremo­nien auflege, daß in andern Landern ſolche Beſchränkungen nicht Statt hätten, und daß ihr Gewiſſen ihnen nicht zuließe, in dies ſer Lage laͤnger zu bleiben. Solche Unzufriedenheit der Geiſtli­chen belaͤſtigte noch mehrere Jahre lang den Kurfuͤrſten; beſon­ders wollte die Stadt Brandenburg, welche in enger Verbindung mit Wittenberg ſtand, ſich in die kurfuͤrſtlichen Vorſchriſten nicht fuͤgen, ſo daß ſich Joachim II. im Jahre 1549 genöthigt ſah, den Geiſtlichen zu antworten:Ich will euch keine Urſach ge ben eure Kirchen zu verlaſſen, gebet nur ſelber nicht Urſach dazu, wie denn viel Prädicanten gethan haben, die von jren Kirchen gezogen, die verlaſſen, ſtehen nhu wuͤſte, wie konten fie ihren Kirchen groͤſſern Schaden zugefuͤgt haben? Waͤre es nicht beſſer geweſen, ſie wären bei iren Kirchen geblieben, und ſich in rebus externis geſchickt, wie fie gekonth? So iſt das gemeine Volck nicht ſo boͤſe, wie Ir vorgebt, lieſſe ſich wohl lenken, wenn ir ſelber woltet. Aber an euch, an euch Praͤdikanten feilets, die Ir eurm ſtorren Kopff volget, und ſich weder ſagen noch weiſſen laſſen wollen: Da feilet es. Derhalben rathe ich und vermahne euch, bringet eure Kirchen umb geringe euſſerliche Dinge willen nicht in Noth. Ich muß es dennoch ſo machen kegen der Kayſ. Maj. das meine Lande und Leute nicht verderbet und verſtoͤret werden. Dann man hat wol geſehen vor Wittenbergk, was Elends und Jammers da geweſen. O! wie gerne waͤre man mit Fahnen und Kertzen gangen, daß man der Sachen moͤgen rahten und helffen, das wolth man aber gerne wiederhaben. Und wenn es datzu, da Gott gnaͤdiglich vor behuͤte, qveme, ſoltet wol Ir Praͤdicanten die erſten ſein, die über die Mauer fallen ſolten, davon fliehen, und meine arme Leuhte ſitzen laſſen, das wil mir nicht gelegen ſein. Was Ich bei der Religion gethan habe, auff des Reichs⸗Tag zu Augſpurgh, und auf allen Reichs Tagen zuvor, das weiß niemand ſowohl als Gott, den wil ichs auch am Jungſten Tage richten laſſen, als den rechten Richter. Daß Ir auch fraget, nachdem ich mich mit den Wittenbergiſchen Theologen verglichen, ob man es daſelbſt auch ſo halten wird,