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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
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Schule; ſpecielle Nachrichten uͤber ihre Beſchaffenheit in dieſer Zeit find nicht vorhanden, doch läßt ſich aus bekannten Umſtaͤn­den ſchließen, daß ſie ſich hier in ſo traurigem Zuſtande befan­den wie anderswo.

Welche Veränderungen nun in den Verhaͤltniſſen beider Kirchen durch die Viſitatoren gemacht, welche Verfuͤgungen uͤber die Einkuͤnfte, die Beſoldung der Kirchendiener, die Verbeſſe­rung der Schulen und des Armenweſens dieſelben getroffen, welche Beſtimmungen uͤber die neue Ordnung des Gottesdien ſtes und die Dienſtleiſtungen der Geiſtlichen ſie gegeben, zeigt der folgende, in einer gleichzeitigen Abſchrift noch vorhandene Viſita tionsabſchied, den die Commiſſion am 165. Auguſt 1540 ausſtellte: Nachdem dieſe beyde Kirchen bißhero alleweg durch einen Probſt zum Berlin *) vorwalttet worden, der etliche Caplan gehalten, welche die Kirchen mit Predigen, Meſſen vnd andere Ceremo­nien vorſehen, wirdt durch die Visitatores vor gelegen angeſe­hen, das es auch nachmals alſo pleiben ſoll; Vnd ob fanct Pe: ters Kirche zue Coln an der Sprewe vor Alters auch in die Probſtey zum Berlin gehorigh geweſen, vndt durch einen Probſt vorſorgett, ſo hat doch vnſer gnedigſter Herr der Churfurſt zue Brandenburgk ꝛc. aus beweglichen Vrſachen verordnett, das hin­furo dieſelb Sanct Peters⸗Kirche ein ſonderliche Pfarr ſein, auch iren eigenen Pfarrer vnd Caplan allzeit haben ſoll; wie dan hernach in der Regiſtration vber die Stadtt Coln ferner zu finden.

Damit dan gemeltte beyde Kirchen mit Kirchendienern nach aller Notturfft vorſehen, ſollen hinfuro in Sanct Niclas Kirchen zwene, desgleichen in vnſer lieben frawen Kirchenn auch zween Caplan gehaltten werden, welche neben einem Probſt beide Kir chen mit notturfftigen Predigten, Sactrament Reichungk, Tauffen vnd andern Kirchen-Ceremonien beſtellen, doch alſo, das ſich gemeltte vier Caplane alweg eines Probſts zue Berlin vorhalten, vnd demſelbigen zimblichen gehorſams leiſten ſollen. Es ſoll aber unter den beyden Caplanen, welche zue vnſer lieben frawen Kir­

*) Berlin iſt ein ſlaviſches Wort und heißt der grüne Platz, daher man bis ins 16. Jahrh. ſagte: zu dem Berlin.