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Die Guͤter der Kalandsbruͤderſchaft zu Frankfurt, welche reich und mächtig war, uͤberwieſen die Kirchenviſitatoren ebenfalls der Univerſitaͤt mit Ausnahme der beiden Kalandshäuſer in der Stadt ſelbſt, von denen das eine der Magiſtrat zur Wohnung fuͤr einen Perdiger erhielt: das andere blieb bis zum Ausſterben ſaͤmmtli cher Bruͤder in deren Beſitz, doch ſollten ſchon bei dem Tode jedes Mitgliedes 10 Gulden von dem Einkommen des Hauſes eingezogen werden. Die Kleinodien, Ornate und Kirchengeraͤth— ſchaften des Franziskanerkloſters hatte der Magiſtrat ſchon am 9. November 1539 auf des Kurfuͤrſten Befehl in Beſchlag ges nommen und hatte zugleich den Mönchen alle Öffentlichen gottesdienſtlichen Handlungen unterſagt. Die Kirche des Kloſters und die dazu gehörigen Gebäude überließ der Kurfuͤrſt dem Rathe zur Einrichtung eines Hospitals. Mehrere Mönche hatten ihr Ordenskleid abgelegt und waren zu weltlichen Geſchäften zuruͤck— gekehrt: andere hatten ihre Zuflucht in die Minoritenkloͤſter des Auslandes genommen, und etwa achte waren mit ihrem Official Franz Doberlow gegen eine lebenslaäͤngliche Penſion im Kloſter zurückgeblieben. Von den unbeſetzten Räumen nahm der Magi— ſtrat fuͤr die Armen der Stadt ſogleich Beſitz, ließ darin bauen und beſſern, und ſtellte bei der Kirche einen evangeliſchen Prediger an, der für die armen, gebrechlichen und betagten Leute und andere Erbauung ſuchende Einwohner Sonntags und in der Woche predigen ſollte. Dies war der nachmals ſo beruͤhmt gewordene Andreas Musculus, ein Schuͤler Luthers und Me— lanchthons, der aus Wittenberg hierher gekommen, als Lehrer der Weltweisheit bei der hieſigen Hochſchule angeſtellt war, und bald darauf an die Oberkirche kam und Profeſſor der Theologie wurde. Er brachte eine Ehefrau mit und war demnach der erſte verheirathete evangeliſche Geiſtliche in Frankfurt
Wegen des Patronatrechts der Kirche zu Frankfurt wurde in dem erſt 1541 ausgeſtellten Viſitationsabſchied beſtimmt: „Wiewoll den Visitatorn vorbracht, daß hiervor ein Decanus Facultatis Theologorum alhier einen Pfarrer zu benennen oder zu praͤſentiren gehabt, So Haben fie doch aus allerley be