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beſolden, achten wir uns nicht verpflichtet. Woher ſollten auch die Mittel dazu kommen? Das Domkapitel unterhält feinen Prediger, dem es jährlich 50 Gulden gibt, den koͤnnen die Buͤrger umſonſt predigen Hören, Wollen fie aber einen eigenen Pre: diger haben, fo mögen fie ihn auch beſolden. Das Kapitel hat keine Kornpaͤchte als allein das Meßkorn von den Hufen, und dieſes beträgt für jeden Domherrn 8 bis 9 Scheffel. Davon muͤſſen fie noch drei Kuͤſter, einen Organiſten und ihren Predi— ger beſolden, auch die Kirche im Gebaͤue erhalten und mit Lich: tern verſehen. Außerdem haben ſie nichts als zwei Schock Zins von der Badſtube, und das Kathedraticum(Zehrgeld) von den Altären. Bei dem Stifte iſt, wie bei allen Stiften, eine Schule. Der Schulmeiſter und ſeine Schuͤler vertreten bei uns die Stelle der Choraͤle. Vormals war der Schulmeiſter zugleich Stadtſchreiber, daher nahm ihn der Rath als ſeinen Diener an, und als Schulmeiſter repraͤſentirte er ihn dem Scholaſticus. Das if aber jetzt nicht mehr uͤblich, nachdem der Rath ſeit langer Zeit ſchon ſeinen eigenen Stadtſchreiber hat. Jene dem Stifte ein— verleibte Schule koͤnnen wir nicht entbehren. Die ſogenannten Evangeliſchen find äͤußerſt unduldſam. Sie wollen die andern Einwohner zwingen, mit in ihre Kirche zu gehen, und weigern ſich, mit denen, die es nicht thun, an oͤffentlichen Orten und bei Gaſtmaͤhlern an einem Tiſche zu ſitzen. Freilich ſetzen wir nur katholiſche Perſonen in den Rath, wenn dieſe aber ſich zu den Evangeliſchen wenden, werden ſie, dafern ſie nur keine Ruheſtoͤrer ſind, von uns nicht daraus vertrieben, wie davon der jetzt regierende Buͤrgermeiſter Lucas Schneider und der Rathmann Czithen einen Beweis gehen.— Auf Veranlaſſung dieſes Schreibens ſagte der Magiſtrat in einem Berichte vom 26. October: „Offenbar und geradezu beſtraft der Biſchof freilich niemand wegen der Religion, aber wohl unter allerhand Vorwand, und jede Aeußerung unſers Religionseifers nennt er Muthwillen“ Y. Noch weit unbeſchraͤnkter und entſchiedener als in Fuͤrſtenwalde beengte aber der Biſchof die Evangeliſchen in ſeiner Reſidenz Lebus und das Papſtthum konnte ſich hier laͤnger als in den
) Wohlbrücks Geſchichte von Lebus II. 487.