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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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bus vom Hofe erlaſſene Schreiben nichts gefruchtet, vielmehr ſeine und ſeines Diaconi Lage ſich ſeitdem noch verſchlimmert haͤtte, und der Biſchof nichts zu ihrer Unterhaltung bewilligen wolle. Dagegen habe derſelbe die evangeliſchen Mitglieder des Stadtraths, die einzigen Stuͤtzen der Prediger entlaſſen, und ſchlechte Leute an ihre Stelle geſetzt, Feinde des Evangeliums, die ſich dem Biſchofe dadurch gefällig zu machen ſuchten, daß ſie die Evangeliſchen und ihre Prediger druͤckten. Der Berichter­ſtatter bat daher, oder vielmehr er ermahnte den Kurfuͤrſten, den halsſtarrigen, rebelliſchen Biſchof, der die landesherrlichen Be: fehle nicht achte, mit Nachdruck zum Gehorſam anzuhalten. Dazu fuͤgte er bei verpflichte den Landesherrn nicht nur das Gebot Gottes, den Göͤtzendienſt und die Abgoͤtterei zu zer ſtoͤren, ſondern auch die Aufrechthaltung feines landesfuͤrſtlichen Anſehens. Hierauf wurde dem Pfarrer geantwortet, der Kur fürft würde gar wohl ſelbſt wiſſen, was er in Anſehung der Rathsbeſetzung in Fuͤrſtenwalde zu thun hätte, wenn er daſelbſt unmittelbar zu gebieten berechtigt wäre, Da dieſes aber der Fall nicht ſei, fo möchte der Pfarrer ſich in die Umſtaͤnde fügen, wie Chriſtus gegen den unchriſtlichen Magiſtrat zu Jeruſalem, Pilatum, Herodem und Andere auch Geduld bewieſen habe, ihres Amtes halber. Indeſſen ſcheint doch auf Veranlaſſung der Beſchwerde des Muſaͤus an den Biſchof auch eine Verfuͤgung ergangen zu ſein, denn dieſer gab dem Kurfuͤrſten in einem Schreiben vom 14. Octbr. feinen Kummer darüber zu erkennen, daß ſeine Unterthanen und beſonders die Fuͤrſtenwalder ihn ſeit einiger Zeit ſo oft verlaͤumdeten. Daran ſei, ſchrieb er, blos der Zwieſpalt im Glauben Schuld, vorher habe niemand uͤber ihn geklagt. Wegen der Religion ſtrafe er keinen, aber den Muth­willen der Buͤrger, die ihn, das Domcapitel und die katholiſche Religion fo gern zu beſchimpfen ſuchten, den muͤſſe er beſtrafen. Vor einem Jahre, fuhr er fort, ſchrieben Ew. kurf. Gnaden wegen des einen Predigers an uns, und verlangten, daß er außerhalb der Domkirche predigen köoͤnnte. Das haben wir ge ſchehen laſſen. Gegenwaͤrtig halten ſich die Fuͤrſtenwalder auch einen Capellan, einen Schulmeiſter, einen Cantor und einen

Kuͤſter. Das laſſen wir gleichfalls zu. Dieſe Leute aber alle zu