feiner Durchreife bei dem dortigen Bürger Martin Brunow ab, und ließ, da der folgende Tag ein Sonntag war, von feinem Hofprediger Juſtus Jonas eine Predigt halten. Vermuthlich trafen die Anhaͤnger der gereinigten Lehre bei dieſer Gelegenheit, oder etwas ſpaͤter, da Luther und Melanchthon ſelbſt in Stendal anweſend waren, Veranſtaltungen, daß ihnen von Witten— berg her ein guter Prediger zugeſandt werde; denn im folgenden Jahre erſchien von dort Dr. Conrad Cordatus aus Wien, ein eifriger und erfahrener Freund der Kirchenverbeſſerung, zu deſſen Ruhm Luther ſagte:„wenn ich ins Feuer gehen müßte, ſo geht Dr. Pommer(Bugenhagen) mit bis an die Flammen, aber Cordatus mit hinein.“ Am Tage Simonis und Juda 1639 theilte derſelbe mit vielen andern, denn es ſoll zugleich in allen Kirchen geſchehen ſein, zum erſtenmal das Abendmahl in beiderlei Geſtalt zu Stendal aus. Darauf wurden die Katechismuspre
digt, die ſogenannte Kinderlehre und die deutſchen Bibeln einge
führt. Im folgenden Jahre wurde Cordatus als Pfarrer bei der Nicolaikirche und Generalſuperintendent der Altmark und Priegnitz angeſtellt. Dieſe Kirche war eine Stiftskirche und die Domherrn regulirte Canoniker Ciſterzienſer Ordens. Sie hatte das Patronatsrecht uͤber ſaͤmmtliche Stadtpfarren zu Stendal, Kyritz, Arneburg und Pritzwalk, war von der biſchoͤflichen Ge richtsbarkeit eximirt und beſaß große Guͤter und Gerechtſame. Bei der Umgeſtaltung der kirchlichen Verhaͤltniſſe 1340 nahmen die Domherrn zwar die kurfuͤrſtliche Kirchenordnnng an, aber das Stift ging dennoch bald ein; 1551 waren nur noch zwei Domherrn vorhanden, und 1555 wurde der letzte, Johann Lange, zur Ruhe beſtattet. Die Guͤter und Einkuͤnfte waren 1551 an die Univerſitaͤt zu Frankſurt gewieſen, wodurch ſie ihrer urſpruͤng lichen Beſtimmung zuruͤckgegeben wurden, indem die Hochſchulen jetzt das zum Zwecke hatten, wozu anfaͤnglich die Domſtifter er richtet wurden. Dieſe Einkuͤnfte brachten der Univerſitaͤt zu Ans fange des vorigen Jahrhunderts einen Zuſchuß von beinahe 4000 Thalern. Das Patronatsrecht uͤbte jetzt ebenfalls die Univerſi tät, da fie die Kirchenbeamten beſolden mußte; doch entwickelten
ſich daraus langwierige Zwiſtigkeiten mit dem Magiſtrat. Der
erſte Pfarrer dieſer ehemaligen Domkirche war nach der Refor