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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
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Probſt und elf Domherrn beſtand und dem die Rechte und Ein kuͤnfte der Stephanskirche, die bis dahin von dem Dom zu Stendal abhängig war, und das Patronatsrecht über Treuen: briezen zugeeignet wurden. Zur Zeit der Reformation uͤbertrug Joachim II. den bedeutendſten Theil der Einkünfte dieſes Colle­giatſtiftes dem Domſtift zu Coͤln a. d. Spree und ſpaͤter ging es ganz ein. Das Patronatsrecht der Stephanskirche ging an den Magiſtrat uͤber. Außer der Stadt lagen ferner die St. Georgkapelle, die Boͤlsdorfer Kapelle und die Marienkapelle mit einem wunderthaͤtigen Marienbilde, nach welcher daher viel ge wallfahrtet wurde. Alle drei Gebaͤude ſind bis auf die letzte Spur verſchwunden. Von einer Schule zu katholiſcher Zeit iſt keine Nachricht: 1540 aber wurde von der mit der Kirchenviſita tion beauftragten kurfuͤrſtlichen Commiſſion ein dem Collegiatſtifte zugehͤͤriges Gebaͤude zum Schulhauſe beſtimmt und zwei Lehrer daſelbſt angeſtellt, denen ſpaͤter noch zwei andere zugefügt wur den. Der erſte Schulmeiſter oder Rector war der durch ſeine altmarkiſche Chronik bekannte Mag. Chriſtoph Euzelt, aus Saal feld, der ſpaͤter als Oberprediger und Superintendent nach Oſter­burg ging.

Zu Oſterburg predigte in der Hauptpfarrkirche St. Nico lai ſchon 1538 als erſter evangeliſcher Prediger Andreas Reine: bei der Kirchenviſitation wurde er als Diaconus angeſtellt und Stephan Hildebrand als Pfarrer und Superintendent eingeführt. Das Recht der Berufung des Pfarrers hatte der Probſt des Kloſters Kreveſe, der vor der Reformation die Einkuͤnfte ſelbſt bezog und nur einen Vicarius hielt. Nach der Kirchenverbeſſe­rung blieb ihm das Recht der Berufung bis zum Jahre 1608, in welchem es ihm der Magiſtrat abkaufte: doch bedurfte der ſof berufene Pfarrer ſtets der Beſtaͤtigung des Generalſuperintenden­ten der Mark in Berlin, vermuthlich aber nur als Superin tendent.

Die erſte evangeliſche Predigt zu Seehauſen hielt Joh. Hemſtet am Sonntag nach Michaelis 1539, weshalb dieſer Tag noch jetzt jährlich kirchlich gefeiert wird. An der Spitze der Geiſt­lichkeit der daſigen Petrikirche ſtand ein Probſt mit großen Ein­kuͤnften, der aber ſelten in Seehauſen reſidirte, ſondern ſich einen