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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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Tangermünde gehalten, bei welcher angeordnet ward, daß die Prediger daſelbſt keine kurzen Röcke und, was ganz wider die damalige Gewohnheit war, keine Baͤrte tragen ſollten. Lybius bemerkt ironiſch, daß, weil der Dechant(des damals noch beſte henden Domſtifts, der alſo wohl unter den Viſitatoren geweſen ſein muß,) keinen Bart habe, es fuͤr die uͤbrigen Geiſtlichen un­paſſend ſei, Baͤrte zu tragen. Erſter evangeliſcher Diakonus an der Stephanskirche war von 1544 Matthäus Rudolf und bald nachher Hieronymus Henning. Ein dritter Prediger findet ſich bei dieſer Kirche erſt ſeit 1625. Außer der Stephanskirche was ren zu Tangermuͤnde noch mehrere andere Kirchen, Kapellen und kirchliche Gebaͤude, welche aber theils unmittelbar nach der Re­formation, theils ſpäter zu andern Zwecken benutzt wurden, oder zu Truͤmmern zerfielen. Es ſind die Nicolaikirche, deren Ein­fünfte an die Stephanskirche uͤbergegangen ſind und die jetzt eine Wohnung armer Leute iſt, die Eliſabethkirche mit einem Hospital vor der Stadt, die bis zu einem Brande 1678, der fie ſehr beſchaͤdigte, bei Leichenbegäangniſſen im Gebrauch war, ſeitdem aber als Salzmagazin benutzt wird, und die Gertrauds kirche vor der Stadt, die zu dem danebenſtehenden Pauliner­oder Dominikanerkloſter gehörte, das 1544 vom Kurfuͤrſten auf gehoben und ſammt ſeinen Einkuͤnften zur Stiftung eines Hos pitals fuͤr nothleidende Buͤrgerfrauen dem Magiſtrate uͤberlaſſen wurde. Die Kirche ſelbſt blieb bis zum dreißigjährigen Kriege dem Gottesdienſte gewidmet. Ob der Umſtand, daß das Kloſter in neuerer Zeit von Frauen bewohnt wurde, zu der Meinung Anlaß gegeben hat, daß es fruͤher ein Nonnenkloſter geweſen, oder ob außerdem ein Ciſterzienſer-⸗Nonnenkloſter daſelbſt beſtan­den, wie Einige wollen, iſt ungewiß. Das praͤchtigſte kirchliche Gebaͤude in Tangermuͤnde war die Schloßkapelle, welche dem Täufer und Evangeliſten Johannes gewidmet und von Kaiſer Karl IV. nach dem Muſter der Wenzelskapelle i in Prag neu aufgebaut war. Der Fußboden derſelben war mit be­legt, die Wände mit Jaspis von verſchiedenen Farben bekleidet, die Fugen mit feinem Golde ausgefuͤllt und hin und wieder mit boͤhmiſchen Amethyſten und Topaſen geſchmuͤckt. 1376 errichtete Karl IV. bei dieſer Kapelle ein Collegiatſtift, das aus einem