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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
251
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unterbrach er dieſen einſt in der Predigt mit den Worten:Lege die Schrift recht aus! worauf der Moͤnch auf der Stelle da von ging, um Rieſeberg zu verklagen. Landgraͤfliche Reiter ho ben dieſen, nachdem der Bann uͤber ihn ausgeſprochen war, am 12. Juni 1523 auf und brachten ihn nach Greifenſtein ins Ge faͤngniß. Die Richter waren nach fuͤnfwoͤchentlicher Berathung noch nicht einig, ob ſie ihn verhungern laſſen, verbrennen oder dem Papſte ausliefern ſollten, als ein Weib ihm in einem Brode einen Bohrer und ein Meſſer zuſteckte, mit deren Huͤlfe und vermoͤge feiner abgemagerten Arme und Hände, von denen die Feſſeln faſt von ſelbſt herabfielen, er glücklich aus dem Gefaͤng­niſſe entkam. Er gelangte nach Wittenberg, wo er Luthern ſein Leid klagte, und als Kaplan nach Schweinitz, einem Städt: chen bei Wittenberg, geſchickt wurde. Der vertriebene König Chriſtian II. von Dänemark hoͤrte ihn hier oft und gern predigen, denn er ſoll Luthern hierin am naͤchſten gekommen ſein. Hier lernte er von einem getauften Juden auch das Hebraͤiſche. Spaͤter ging er, zum Pfarrer berufen, nach dem Staͤdtchen Brehna bei Halle, und von hier nach Sido, in der Nähe von Wittenberg, wo er ſich verheirathete und unter mannigfachen Kaͤmpfen mit der noch katholiſchen Stadtobrigkeit 13 Jahre blieb. Der Landgraf von Heſſen ſchrieb hier oͤfters an ihn und ver ſprach ihm die beſte Pfarre in Caſſel, wenn er zu ihm kommen wolle, aber Luther rieth ihm, den Ruf abzulehnen. Als man endlich 1539 mit großer Freude in Wittenberg vernahm, daß der Kurfuͤrſt von Brandenburg evangeliſche Prediger in ſeinem Lande anſtelle, ſchrieb Rieſeberg an ſeine Vaterſtadt Gardelegen, daß ſie doch nicht die letzte im Papſtthum ſein, ſondern ſich auch einen Prediger der gereinigten Lehre fordern moͤchte. Man bat ihn darauf, ſelbſt zu kommen, was er auch that, doch ging er bald wieder zuruͤck, weil er nicht ſo weit von Wittenberg und Luther entfernt ſein wollte. Als aber Joachim ſelbſt an den Kurfuͤrſten von Sachſen ſchrieb, und dieſer ihn durch Luthern zur Annahme des Pfarramts in Gardelegen auffordern ließ, ging er dahin und hielt am 11. Novbr. 1539 um 1 Uhr bei uͤberfuͤllter Kirche feine Antrittspredigt, nachdem noch Vormittags in derſelben Marien kirche der Gottesdienſt auf ganz katholiſche Weiſe von den Meß