Johann Bodendorf oder Bodenburg, der zum erſtenmal in Gardelegen am 2. Januar 1551 einem Verſtorbenen, dem Buͤr— germeiſter Steinfeld eine Leichenpredigt hielt, was bis dahin nie geſchehen war; er wurde bald darauf ebenfalls der katholiſchen Gebraͤuche wegen entlaſſen und nahm eine Pfarre in Staßfurt an. 1555 folgte Schulz aus Kalbe, ein zwanzigjaͤhriger verhei—ratheter Mann, der 1563 als Superintendent nach Wittſtock ging, und von 1563— 1566 der bisherige Rector Andr. Duhm und zu gleicher Zeit Barthol. Rieſeberg, der Sohn des Super— intendenten, ein Liebling des Kurprinzen Joh. Georg, vor dem er oft predigen mußte. Beide Rieſebergs, Vater und Sohn, und Andr. Duhm ſtarben zu gleicher Zeit(1566) an der Peſt. — Zur Zeit der Reformation waren in Gardelegen außer der Hauptkirche zu St. Marien die Nicolaikirche und die Hospital kirchen zum h. Geiſt, welche dem Kaland zugehoͤrte, und zum H. Georg, die vor dem Thor lag: dazu ein Auguſtiner⸗Bettelkloſter. Sie gehoͤrten zur Halberſtaͤdtſchen Didceſe und das Domſtift zu Stendal hatte das Patronatsrecht; nach der Kir— chenviſitation aber berief der Landesherr den Pfarrer, der zugleich Superintendent war, der Magiſtrat die drei Kaplaͤne oder Diakonen. Beide Pfarrkirchen nemlich, St. Marien und St. Nicolai, wurden als eine Parochie betrachtet und ſaͤmmtliche vier Prediger ſtanden beiden Kirchen zugleich vor, obwohl zuweilen auch der Superintendent und der erſte Diakonus, der auch Ar— chidiakonus genannt wird, als Prediger bei der Marienkirche aufgefuͤhrt werden, weil ſie ihre Wohnhaͤuſer bei dieſer Kirche hatten, wie aus gleichem Grunde die beiden andern Diakonen Prediger bei St. Nicolai hießen. Die Hospitalkirchen wurden nach der Kirchenverbeſſerung von den Geiſtlichen der Pfarrkirchen beſorgt. Die Guͤter der Kalandsbruͤderſchaft wurden dem Dom: ſtift zu Coͤln a. d. Spree zugewieſen, von dem ſie aber der Magiſtrat zu Gardelegen fuͤr 1000 Gulden zuruͤckerkaufte, um die Beſoldung der Prediger und Schullehrer zu verſtaͤrken. Die
Haͤuſer des Kalands in der Stadt waren gleich anfangs zu Wohnungen fuͤr Wittwen beſtimmt worden. Im Betreff der Schule wurden durch die Viſitatoren 1511 zwar ſehr gute Verordnungen
gegeben, und ſie der Fuͤrſorge des Magiſtrats anvertraut, aber