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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
299
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evangeliſcher Prediger und Inſpector Kling und 1552 Nicolaus Herwing angeſtellt, der vorher Pfarrer in Arendſee und dann zu Neuhaldensleben geweſen war. In Kyritz war erſter evangeli ſcher Prediger und Superintendent Martin Dolde, der vorher Domherr zu Havelberg war. Bei der Kirchenviſitation 1551 wird auch noch Lorenz Schulze und Lorenz Paſche angefuͤhrt, welcher letztere nach einem gottloſen und verbrecheriſchen Leben ſich im Gefaͤngniſſe toͤdtete, da er ſchon zum Tode auf dem Rade ver urtheilt war. Das Franziscanerkloſter wurde bei der Reforma tion eingezogen und ſpäͤter einem von Klitzing uͤberlaſſen. In Perleberg und Pritzwalk war ſchon fruͤher das Evangelium von einem Theile der Einwohner aufgenommen und der kirchliche Zus ſtand veraͤndert worden, doch fand auch hier erſt nach dem Tode des Biſchofs Buſſo von Alvensleben die Reformation freien und wirkſamen Eingang. Am längſten und hartnaͤckigſten behaupteten ſich die katholiſchen Mißbraͤuche in Wilsnack, wo die weitberuͤhm­ten blutigen Wunderhoſtien aufbewahrt wurden. Der Kurfuͤrſt Joachim II. wollte durchaus nicht gewaltſam dagegen verfahren, und geſtattete daher dem Magiſtrate nur unter der Bedingung einen evangeliſchen Prediger, daß derſelbe mit den Kirchengebraͤu­chen nichts zu thun haben, ſondern ſich ausſchließlich mit der Verwaltung des Predigtamtes beſchaͤftigen ſollte. Johann Elle feld, aus Pritzwalk gebuͤrtig, wurde darauf 1548 als evangeli ſcher Prediger bei der St. Katharinenkirche angeſtellt und be; ſchraͤnkte ſich auch anfaͤnglich auf den ihm vorgeſchriebenen Wir kungskreis. Da indeß der havelbergiſche Domdechant Peter Con­radi von Zeit zu Zeit nach Wilsnack kam, die blutigen Hoſtien dem Volke mit großem Pompe vorzeigte, ſelbſt knieend die tiefſte Ehrfurcht vor ihnen darlegte und die Gemeine Ellefeld auf dieſe Weiſe in dem paͤpſtlichen Aberglauben zu erhalten ſuchte, ſo kam 2 auf den Gedanken, die Hoſtien bei Seite zu ſchaffen. Als r daher eines Abends(1552) ſpaͤt von Kyritz zuruͤckkam, wo er ſich mit dem gewaltthaͤtigen Prediger Lorenz Paſche lebhaft uͤber dieſen Gegenſtand unterhalten hatte, ging er in die Kirche, ließ von dem Kuͤſter ein Feuerbecken herbeibringen und warf die Hoſtien hinein. Da die Domherren zu Havelberg dies hoͤrten, waren ſie aufs höoͤchſte aufgebracht, ließen Ellefeld auf die Plat