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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
321
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auf eigne Koſten das Gymnaſium beſuchen konnten.) Die feier liche Einweihung dieſer Schule geſchah am 23. Auguſt 1607 in Gegenwart des Kurfuͤrſten, der Prinzen, mehrerer anderer Fuͤr­ſten und Grafen, und vieler Edelleute und Gelehrter. Ueber die damalige Einrichtung des Gymnaſiums gibt einer der erſten Zoöͤg­linge folgende Schilderung*):Der erſte Rector war M. Ca rolus Bumannus, dem frommen Fuͤrſten ſo lieb als David dem Jonathan; Neben ihm waren Lehrer M. Johann Voitus, ein gelahrter Hebraiſta; M. Jacobus Schultetus, Subconrector; ein beredſamer Philologus; M. Zacharias Regius, Cantor et infor­mandi magnus artiſex, qui. ex hbrutis poterat formare ho­mines; war jemand nicht gar ein Klotz oder Stein, dieſe Leute konnten etwas in ihn bringen.. Und beſtunde das Schulweſen in der Unterweiſung, und zwar der Anfang wurde von Gott ge­macht, auch alle Arbeit mit dem Gottesdienſt geſchloſſen. Des Morgens fruͤh umb 4 Uhr ward vom Waͤchter mit einem Gloͤck­lein geleutet, und ein Zeichen gegeben, auffzuſtehen, und zu ſtu­diren, ſowohl im Winter als Sommer, und ward des Winters den Stipendiaten, die unter vierundzwanzig Kammern nur zwo warme Stuben hatten, die Communitaͤt geheitzet, da ein jechli cher an ſeinem Tiſche, da er ſonſt ſpeiſete, ſitzen und ſtudiren mußte, dazu ward ein Licht, Leuchter und Schneutze durch die ſamulos hergegeben. Wenn ausgeleutet war, gienge der Ins ſpector herumb bey allen Tiſchen in beſagter Communitaͤt, dar: nach durch alle Cellen und Stuben, da Knaben vorhanden wa ren, und mußte jedermann bei den Buͤchern gefunden werden, die in den Federn begriffen wurden, wurden hernach zum ſchaͤrf ſten eraminiret, oder, wenn ſie mehrmal auf dem Federmarkt ertappt wurden, mußten fie des Mittags-Brods wol entbehren. Nach dem Morgengebetlein mußten die Zellgeſellen ein Capittel aus der Bibel leſen. Um ſechs Uhr fruͤhe ging man zur oͤffent lichen Betſtunde in die Kirche, allda wurde geſungen und gebe­tet. Der Paſtor laß ſtehend fuͤr dem Altar ein Capittel aus der

) Die Stiſtungs-Urkunde findet ſich in der lung von theolog.

Alten und Neuen, a. 1739, p. 157.

) Küſters Altes und Neues Berlin, II. 914.