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Annales Marchiae|| Brandenbvrgicæ,|| das ist|| Ordentliche|| Verzeichnuß vn|| beschreibung der fürnemsten vnd|| gedenckwirdigsten Märckischen Jahrgeschichten vnd Historien,|| so sich vom 416. Jahr vor Christi Geburt, bis auffs 1596. Jahr|| im Churfürstenthumb Brandenburg, vnd dazu gehörenden Landen vnd|| Herrschafften, von Jahr zu jahr begeben vnd|| zugetragen haben.|| Aus vielen glaubwirdigen Scribenten vnd Büchern, auch aus|| bewerten vrkunden vnd vielen alten monumentis, zusam-||men getragen vnd beschrieben.|| Auch mit vielen Bildnüssen vnd Figuren gezieret, vnd mit einem vollkom-||menen vnd richtigem Register verfasset,|| Durch|| M. Andream Angelvm, Strvthiomon-||tanvm.||
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Das dritte Buch, 35

Den ein vnd zwantzigſten tag Nouembris iſt zu Stendal in S. Peters Pfarr/ ein ſolch monltrum geborn. Es find zwey Kinder/ Weſbliches Geſchlechts/ von Mutter­leib kommen/ welche die Beine ineinander geſthrencke/ als weren fie in einander geiwach­ſen. Das eine Kind hat ein ſehr ſcheußlich Angeſicht gehabt/ wie ein alt run zl ſchtes Maͤnnlein. Das ander hat ein ſehr lieblich Angeſicht gehabt/ wie ein Enge/ das mans auch nicht hette ſchoͤner mahlen koͤnnen. Sie haben beyde ſpitzige fewrige zungen/ aus

dem Munde/ eines halben fingerslang, herfuͤr geſtreckt. So hat man auch an demin­

de mit dem ſchoͤnen Angeſichte einen Nabel geſehen/ eines Armes dicke/ der wie ein ſchwantz gar auff der Erden gehangen. Fincelius.

Da auch im ſelben jahr etliche Leute zu Stendal in einem Haufe kranck gelegen/ find ſie in ſolcher jrer Kranckheit wunderbarlicher weiſe mit fewer vberfallen/ vnd ſich­tiglich verbrand worden/ alſo/ daß ſie im fewer erſticktvnd geſtorben. Das Hauß aber/ darinn fie gelegen/ ſt vnuerſehret blieben/ iſt auch vom Fewer nicht angeſteckt worden. Vber den dritten tag hernach/ als man die verbrandte vnnd verdorbene Leute hat be­graben wollen/ haben ſie durch die Saͤrge vberfluͤſſig geblutet. Idem/ Fineelius. j

Marggraff Joachim Friderich von Brandenburg

wird Adminiſtrator zu Hauelberg.

GIN diteſem jahr iſt Gtotg von Blanckenburg zum Haͤupt­

man deß Hauelbergiſchen Biſchoff­thumbs/ biß zu feinem kode/ von Marg­

P graff Joachim dem andern/ Churfůr­ſten zu Brandenburg/ etc. verordnet worden. Aber der jetzt regierender C hur­fuͤrſt/ Herr Johan Georg/ vnſer gnaͤ­

Q diger Fuͤrſt vnnd Herr hat mit dem Noon Blanckenburg gehandelt das er die derwaltung gemeltes Stiffts feinen

SE] Sohn/ Herrn Joachimo Friderico/ S. Marggraffen zu Brandenburg/ ete. abs N getreten ond eingerenmet. Chytraus. l Item/ in dieſem jahr wurden zum Berlin zvo zaͤuberinnen gefangen, nel­

che ſich vnterſtanden Hagel vnd Vn­gewitter/ ju verderbunge der Früchte

.

auff dem Lande/ zumachen. Diele zaͤu­

ber ſche Weiber bekandten/ daß fit et­

nem andern Weibe aus der Nachbar­

ſchafft ein klein Kindlein geſtolen/ daſſelbe zuſtücket/ vnd auch letzlich haben kochen wol­

len: Aber Gott der Allmechtige vnd allwiſſende/ habe es alſo geſchickt/ das deß Kindes

Mutter dazu kommen/ vnd deß Kindes glieder im lopffe geſehen/ ete Sie bekandten auch,

wenn dieſe jhre kochung deß Kindleins were volnbracht worden /ſolten alle Früchte auff

dem(ande durch Vngewitter fein verderbet worden. Aber wie ſie gedienet/ alſo wur­den fie auch/ wie billig/ gelohnet. Manlius, Promptuar ium Exemplorum,& c.

Im tauſent fuͤnff hundert vier vnd funffzigſten jahr nach Chriſti Geburt/ ann

wen Jahrßtage/ vnd etliche tage darnach/ ſind am Himmel drey klare ſchoͤne Negenbo­

gen geſtanden. Dazumal find auch von vielen drey Sonnen geſehen worden. Fmncelius.

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K/ 2

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