ein Schema für alle weiteren Bauten. Wo daher in der Folge von Vaubanſcher Schule, im Gegenſatz zu Friedrichs Anſchauungen, die Rede ſein wird, iſt eben dies ſchematiſirende Verfahren ſeiner Nachfolger gemeint. Bei ihnen bildete für den Feſtungsbau die gegenſeitige Flankirung der einzelnen Linien, verbunden mit möglichſter Beſtreichung des Vorgeländes, die Grundlage; das Gelände ſelbſt fand nur Berückſichtigung, indem man in der Länge der einzelnen Linien, der Facen und Flanken der Baſtione abwich, ſoweit die Rückſichten auf das Schußfeld dies erforderten. In dieſem Schema, das gar bald eine Feſſel wurde, hat fid zweifellos auch der erſte Unterricht bewegt, den König Friedrich als Kronprinz in der Befeſtigungskunſt erhielt. Doch ſchon die erſten Eindrücke, die er im Lager des Prinzen Eugen vor Philippsburg empfangen hatte, waren ſicherlich nicht ohne Einfluß auf die weitere Entwickelung ſeiner Anſchauungen über das Feſtungsweſen geblieben. Dazu trat dann ſpäter die Erfahrung aus ſeinen beiden erſten Kriegen. Nun warf ſein genialer weitblickender Geiſt auch im Feſtungsbau die Feſſeln des Hergebrachten von ſich. Wie wir beim Leſen der General⸗Prinzipien vom Kriege und der Pensées et régles xEnErales pour la guerre ſowie ſeiner vor dem Siebenjährigen Kriege geſchriebenen Inſtruktionen überall herausfühlen, daß ibm bei ſeinen taktiſchen Weiſungen in erſter Linie ſtets die Schlachten und Kämpfe der beiden erſten Kriege vorſchwebten, ſo beruhen auch ſeine Neuerungen im Feſtungsbau lediglich auf den Erfahrungen aus dieſen Kriegen.
Der erſte Schleſiſche Krieg hatte die im Oeſterreichiſchen Beſitz ſehr vernachläſſigten Feſtungen Schleſiens dem Sieger meiſt leichten Kaufs in die Hände fallen laſſen. Glogau fiel, nachdem es den Winter über eingeſchloſſen war, in der Nacht vom 8. zum 9. März 1741 durch Ueberrumpelung. In Breslau war der König am 3. Januar, ohne Widerſtand zu finden, eingerückt. Brieg , den Winter über gleichfalls eingeſchloſſen, kapitulirte nach der Schlacht bei Mollwitz und nach ſehr kurzer förmlicher Belagerung am . Mai. Nur Neiße hatte länger widerſtanden, fiel jedoch, erſt einmal förmlich belagert und beſchoſſen, auch nach dreizehntägiger Gegenwehr.
Im zweiten Kriege wurde nur um zwei Schleſiſche Feſtungen gekämpft, um Glatz, das einer längeren Einſchließung erfolgreich widerſtand, und um Koſel, das am 27. Mai 1745 in Oeſterreichiſche Hände fiel und im Herbſt durch General von Naſſau wieder genommen wurde.
Sofort nach dem Frieden von Breslau 1742 hatte der König den Umbau von Neiße , Glatz, Brieg , Breslau und Glogau beſchloſſen, ſowie den Neubau von Koſel und Schweidnitz , die nicht als Feſtungen angeſehen werden konnten, ſondern lediglich, wie die meiſten Städte damals noch, eine mittelalterliche Stadtbefeſtigung beſaßen. Dadurch ſchuf er in vorderſter Linie, der Oeſterreichiſchen Grenze zunächſt, vier operative Feſtungen, Schweidnitz , Glatz, Neiße und Koſel, die dem Angriff als Ausfallspforten