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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
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Auch den gewaltſamen Angriff hält Friedrich ſelten ohne Weiteres für möglich, doch kommt er auf den Verſuch dazu mehrfach zurück. Er will ih in jedem einzelnen Falle erwogen ſehen, in dem Beſtreben, die langwierig anderweitigen Verfahren abzukürzen. Wo dieſe, Blockade, Beſchießung oder förmliche Belagerung, eintreten ſollen, muß die völlige Einſchließung d Feſtung vorausgehen. Bei ihr will der König, auch im Gegenſatz zu de Gepflogenheiten feiner Zeit, von den Cirkum- und Kontravallationslinien a ſehen. Er hält gegen Ausfälle die Anlage von Feldſchanzen an wichtig Punkten für genügend, gegen Entſatzverſuche aber will er eine beſonder Obſervationsarmee aufſtellen, um ſie, wenn nöthig, durch den Kampf freien Felde unſchädlich zu machen. Balby erwähnt die Cirkumvallations linien in dem Fall als noch erforderlich,wenn kein Observations. Cor in der nähe vorhanden, desgleichen die Kontravallationslinien, wenn Feſtungsbeſatzung beſonders ſtark ſei, ſo daß beträchtliche Ausfälle zu b fürchten ſeien. Zur Anfertigung dieſer beiden Linien ſollen Bauern a Frohnarbeiter verwendet werden, vorausgeſetzt, daß ſie dem feindlichen Feuer nicht ausgeſetzt ſind, bei allen Arbeiten, wo dies der Fall iſt, ſollen dageg ſtets Soldaten angeſtellt werden.

Während die völlige Einſchließung durch die ganze Belagerungsarme ſich vollzieht, ſollen ſorgfältige Erkundungen ſtattfinden, auf Grund deren die Angriffsfront und die Plätze für Geſchütz⸗ und Belagerungsdepots genau be ſtimmt werden. Balby bemerkt, daß der Angriff, gleichviel, ob die Breſche durch Geſchütze oder Minen zu Stande kommen ſoll, ſtets gegen der Facc eines Bastions in einer bequemen Distance vom Angle Saillant oder Flanque bis an dem Schulter⸗Winkel wo das Orillon angehängt, un niemals nach der Kurtine zu führen ſei, einmal weil die Face nur von de einen überſtehenden Flanke geſehen wird und man ſich folglich nur auf eine Seitezu epauliren hat, während man beim Vorgehen gegen die Kurtin dem Feuer beider Flanken und der Kurtine ſelbſt ausgeſetzt wäre, ſodam weil der Weg durch den Graben von der Kontreeskarpe zur Breſche in einern Baſtionsface ſtets viel kürzer iſt, als wenn die Breſche in der Kurtine läge

Sobald die Depots eingerichtet ſind, wird zur Aushebung der erſten Parallele geſchritten, die durch Mannſchaften nach Anleitung der Ingenieur Offiziere und unter dem Schutz ſtarker Infanteriebedeckung zu bauen iſt. Außerdem ſoll eine Kavallerieabtheilung von 400 Mann, in 2 Pikets eingetheilt, auf dei Flügeln, oder, falls ein Flügel angelehnt ſein ſollte, auf dem anderen allein bedrohten gleich während der erſten Nacht bereitgeſtellt werden. Ihre Patrouillen ſollen jeden etwaigen Ausfall des Feindes rechtzeitig melden und verhindern, daß Ueberläufer die Nachricht von dem Bau der Parallele in die Feſtung bringen können.

Die Entfernung der erſten Parallele vom gedeckten Weg iſt entſcheidend für die Dauer der Belagerung. Balby empfiehlt, ſie ſo nahe als möglich