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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
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an dieſen beranzuſchieben, da der weitere Weg zur Feſtung nur vermittelſt der Sappen, alſo ſehr langſam, zurückgelegt werden kann. Er giebt als un­gefähre Norm 140 Ruthen oder 700 Schritt Entfernung vom gedeckten Weg an, wobei jedoch etwaige Vortheile, die das Gelände für den Bau der Parallele bietet, unter allen Umſtänden in Kauf genommen, und dementſprechend die Entfernung nöthigenfalls anders bemeſſen werden ſoll. Die Front der Pa­rallele ſoll zwei Polygone überflügeln, d. h. es ſollen zwei Baſtione an­gegriffen werden, um den Gegner möglichſt lange im Ungewiſſen zu laſſen, wo man Breſche zu legen beabſichtigt, und ſo ſeine Aufmerkſamkeit zu theilen. Balby giebt die Länge der erſten Parallele auf ungefähr 340 Ruthen oder 1700 Schritt an. An ihren beiden Enden ſind, an Stelle von Redouten, Crochets anzubringen. In der erſten Nacht wird, außer an dieſer Parallele auch an einer Kommunilation nach den Depots gearbeitet, und es werden, wenn möglich, nochEpaulements für die Kavalleriepikets hergeſtellt, die von jetzt ab dauernd als Flankendeckung aufgeſtellt werden, um die Infanterie­beſatzung der Laufgräben im Abweiſen etwaiger Ausfälle zu unterſtutzen.

Für die erſte Nacht fordert Balby bei der erwähnten Ausdehnung 2000 Ar­beiter und zur Aufſicht außer den leitenden Ingenieur⸗-Offizieren 46 Offiziere und 140 Unteroffiziere. Die Vollendung der Parallele auf die nothwendige Tiefe von 4 Fuß und ihre Verbreiterung auf 13 bis 14 Fuß ſoll dann während des folgenden Tages durch weitere 1500 Arbeiter ausgeführt werden. Alsdann ſoll ein Banquet gebaut und die Bruſtwehr, falls die Erde nicht genügend Feſtigkeit beſitzt, durch Faſchinen und Sandſäcke verſtärkt werden.

Auch find, wenn es ſich bei Tage zeigen ſollte, daß einzelne Strecken von der Feſtung durch enfilirendes Feuer bedroht ſind, ſofort Traverſen herzuſtellen. Alsdann bezieht die Trancheewache, bei Tage 4 Bataillone ſtark, die Parallele; Nachts treten 2 Bataillone Verſtärkung hinzu.

Während des Ausbaues der erſten Parallele ſoll verſucht werden, die Minen der Feſtung zu entdecken, die etwa vorhandene Inundation abzulaſſen, überhaupt alle Maßregeln zu treffen, daß das Vortreiben der Sappe zum Bau der zweiten Parallele auf keine Hinderniſſe ſtoße.

In der zweiten Nacht, ſo fordert Balby, ſoll der Bau der erſten drei Demontir-Batterien beginnen, damit man dem Feuer der Feſtung, das zu Anfang ſehr heftig ſein wird, möglichſt bald begegnen könne. Hierzu ſollen etwa vorhandene Anhöhen benutzt werden, im Uebrigen ſind die Batterien abſonderlich in die Prolongations derer Linien zu legen, damit man möglichſt balden Ricochet ſchießen könne, welches mehr als die Demontir­und brech- Batterien die Canons der Veſtung unbrauchbar machet. Der Chef der Ingenieure ſoll die Batterieſtellungenmarquiren, der Bau ift Sache der Artillerie, unter Leitung ihrer Offiziere. Soweit die Kanoniere nicht ausreichen, werden Arbeiter von der Infanterie herangezogen.

Beiheft z. Mil. Wochenbl. 1901. 2. Heft. 2