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Geld gebrach, um Löhnung und Gehälter zu bezahlen, ſo ſollte er das Geld von der Bürgerſchaft gegen Beſcheinigung borgen. Da die Beſatzung dies Geld immer wieder ausgab, um ihre Bedürfniſſe zu kaufen, fo ſollte das nöthige Geld ſtets von Neuem von den Bürgern geborgt und die Beſcheini gungen ſollten nach Aufhebung der Belagerung eingelöſt werden,„dergeſtalt, daß auf ſolche Arth das Capital, ſo in der Stadt iſt, beſtändig rouliret.“
Durch die Schulzen der Nachbarſchaft und durch kleine Streifkommandos waren Nachrichten über den Feind einzuziehen. Auch ſollte der Kommandant „ſowohl in Krieges⸗ als Friedens⸗Zeiten, ſichere, gute, vernünftige Espions halten,.. auch öffters unvermerket die abgehende wie ankommende Briefe öffnen laſſen“. Für die Schleſiſchen Feſtungen wird den Kommandanten beſondere Ueberwachung der katholiſchen Geiſtlichkeit anbefohlen, die größten um Hauſe Oeſterreich hinneigte. So lange die Einſchließung nicht
5 vollſtändig war, ſollte der Kommandant alle 8 Tage über die Bewegungen des Feindes und den Zuſtand der Feſtung chiffrirten Bericht abſtatten.„Siehet der Commandant nichts als Husaren und Panduren, fo kann er gewiß ſeyn, daß er nicht in Form wird attaquiret werden; ſiehet er aber Infanterie und Grenadiere, ſo iſt es auf den Ernſt abgeſehen.“
Bei förmlicher Belagerung ſollte die Beſatzung in drei Theile eingetheilt werden, ſo daß ein Drittel auf Wache, ein Drittel auf Piket und Arbeit verwendet wurde und ein Drittel ruhte. Zehn Stunden voll kommene Ruhe ſollte den Leuten immer gewährt werden, damit ſie brauchbar blieben. Zur Arbeit war die Bürgerſchaft in ausgedehntem Maße heranzuziehen. Die Einwohner ſollten Faſchinen und Schanzkoörbe machen, beim Feuerlöſchen verwendet werden, alle Schmiede ſollten angehalten werden, „Affuten“) zu repariren,“ die Bürgerweiber ſollten Charpie und Verband zeug herſtellen, auch zur Pflege der Verwundeten verwendet werden.„Alle Arbeit, ſo nicht unter dem Feuer vom Feinde gemacht wird, müſſen die Bürger mitthun; damit ſchonet der Commandant ſeine Garnison.“ Das Steinpflaſter in den Straßen der Stadt ſollte rechtzeitig„aufgenommen“ werden, damit man die Steine„gegen den Feindt gebrauchen“ könne.“**)
Sobald die Feſtung völlig eingeſchloſſen war, ſollte der Kommandant Alles aufbieten, um rechtzeitig die vom Feinde gewählte Angriffs front zu erkennen und alsdann die Eröffnung der erſten Parallele zu verhindern oder wenigſtens ihre Anlage ſo fern als möglich von der Feſtung zu erzwingen. Hierzu mußte die Artillerie in Thätigkeit treten, ſobald der Gegner in ihren Feuerbereich kam.„Um daß der Commandant ſich nicht die Ouverturen der Tranchée surprenniren läſſet, muß er des Nachts vor jeder Seite einen Offizier und 30 Mann ohngefähr 100 Schritt vor dem bedeckten Weg heraushaben und kleine Patrouillen Cavallerie von 3 Mann 200 Schritt
theils
Laffeten. ) Als Ladung für die Steinmörſer.