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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
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Solche bedeutenden Vortheile wollte sich der König nicht entgehen lassen. Er befahl daher, daß ein Versuch mit dem neuen Verfahren vor dem Jaeger­thor bei Potsdam unter Balbys Oberleitung stattfinden solle. Mit der Aus­führung der Arbeiten wurden Hauptmann Lefebvre und Leutnant Gontzenbach vom Ingenieurkorps mit 2 Unteroffizieren und 20 Mineuren betraut. Die Arbeiten begannen am 2. April und waren am 27. beendigt.

Der Versuch war so angeordnet, daß der globe de compression alle möglichen Arten von Minengängen aus Mauerwerk und Holz, Bekleidungs­mauern 2c. treffen mußte. Jedoch nicht nur die Ziele der Minenwirkung, auch Gelände und Bodenbeschaffenheit suchte mon möglichst verschieden aus­zuwählen, um aus der erzielten Wirkung Rückschlüsse auf die Berechnung der Pulverladung machen zu können.

Nachdem der Minengang in genügender Länge vorgetrieben war, wurde die Pulverkammer mit einer Seitenlänge von 4 Fuß und einigen Zoll kubisch aus­gearbeitet und darin der hölzerne, ebenfalls kubische Pulverfasten von 4 Fuß Seiten­länge aufgestellt; seine Ladung betrug 30 Centner Pulver. Die Abmessungen des Bulverfastens waren so gewählt, daß nach seiner Füllung mit der festgesetzten Ladung noch ein freier Raum verblieb, der die Wirkung bei der Entzündung des Bulvers erhöhen sollte. Die Größe der Ladung, ihr Abstand von der Erdober­fläche( kürzeste Widerstandslinie) und von den Nachbargallerien, die das Kontre­minensystem andeuten sollten, waren nach Velidors Angaben berechnet worden. Lefebvre hatte dabei einige ihm nothwendig erscheinende Abänderungen vor­genommen und an Bélidor mitgetheilt, und dieser hatte sie gebilligt. Die Verriegelung und Verdämmung geschah durch Balken und Bohlen sowie mittelst Erde und Rasen zur Ausfüllung der Zwischenräume.

Am 28. April wurde die Wline in Gegenwart des Königs gezündet. Sie warf einen Trichter aus von 66 Fuß- 20,4 m Durchmesser und von 18 Fuß 5,10 m Tiefe. Die Wirkung gegen die Nachbargallerien war außer ordentlich. Der König theilte noch an demselben Tage das Ergebniß des Versuchs an Vélidor mit und sprach dabei seine volle Anerkennung und seinen Dank an ihn und d'Argenson aus. Vélidor dankte am 31. Mai für die erwiesene Gnade und hob dabei hervor, daß der Potsdamer Versuch den seinigen bei Bisy weit überflügelt habe. Er beglückwünschte auch Lesèbvre zu dem großartigen Erfolge und schloß mit den Worten: Cette opération vous fait beaucoup d'honneur."

Der König hielt den Versuch fireng geheim, nur einigen Generalen, wie Fouqué und Anderen, machte er von dem Verfahren und seinen Ergebnissen Mittheilung. Jedenfalls hat ihn der Versuch in der hohen Meinung, die er von den Minen hegte, wesentlich bestärkt. In seinem Urtheil über die Festung Wesel vom 20. November 1750*) schreibt er: Wesel est bien fortifié,...

*) Polit. Korresp. XIV, Nr. 8354: Projet de campagne pour l'armée des alliés vom König am 20. November 1754 an den Englischen Gesandten Mitchell übersandt.

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