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Anſicht begnügt, daß während der beiden erſten Schleſiſchen Kriege die Politik dem Könige nicht erlaubt habe, auf Entſcheidung ſuchende Art Krieg zu führen, und ſo konnte es kommen, daß heute vor ſieben Jahren an dieſer Stelle in einem ſonſt allerdings ſehr geiſtreichen Vortrag die oft gehörte irrige Behauptung wiederholt wurde,„daß der König es ſelbſt unter den günſtigſten für ihn denkbaren Bedingungen nicht für möglich hielt, Oeſterreich völlig niederzuwerfen, daß„die damaligen Kriegseinrichtungen nicht dazu ausreichten“, daß„die geographiſche Lage der Oeſterreichiſchen Hauptſtadt eine außerordentlich geſicherte geweſen ſei“ und daß das Unternehmen, die Oeſterreicher zu ſchlagen und nach Wien zu marſchiren, auf„eine Spitze ohne Kraft hinausgelaufen wäre“.
Als der Vorſtand der Militäriſchen Geſellſchaft mir durch die Aufforderung, den heutigen Feſtvortrag zu halten, eine hohe Ehre zu Theil werden ließ, glaubte ich keine geeignetere Aufgabe finden zu können, als in großen Zügen ein Bild der Pläne zu entwerfen, welche an dem erwähnten Geburtstagsritte die Seele des Königlichen Feldherrn erfüllten.
Ehe ich jedoch hierzu übergehe, möchte ich die Herren bitten, einen Blick auf die Karte zu werfen.
Das Wegenetz, welches im vorigen Jahrhundert Schleſien und Sachſen mit dem Donauthal, dem Herz des Oeſterreichiſchen Staates, verband, lief in drei Straßen aus, welche gewöhnlich mit dem Namen Kaiſerſtraßen bezeichnet wurden. Es waren dies die Straßen Prag — Linz , Königgrätz Iglau — Wien , und Olmütz Brünn — Wien . Sie waren die einzigen Wege mit chauſſirtem Unterbau und kamen mit der aus Oberſchleſien über Fulnek , Hradiſch, Skalitz bezw. Tyrnau auf Preßburg führenden Straße für die Bewegungen größerer Heere allein in Betracht.
Die Baſis eines bis zur Niederwerfung durchgeführten Angriffs bildete Schleſien zuſammen mit Sachſen . Es war daher für den König eine Nothwendigkeit, ſich entweder mit Sachſen zu verbinden oder die Sächſiſche Armee zu entwaffnen. Blieb Sachſen auch nur neutral, dann war allerdings der König zu ſchwach, den Angriff auf Oeſterreich bis zur Donau durchzuführen, denn er mußte ſeine Kräfte theilen und gegen Sachſen ein Beobachtungskorps aufſtellen, welches man nach Analogie des Jahres 1866„die Elbarmee! nennen könnte. Die ſtaatsrechtlichen Anſchauungen über den Begriff der Neutralität wichen in damaliger Zeit ſo ſehr von den unſerigen ab, daß dieſe Vorſicht dringend geboten erſchien. Der König hat auch thatſächlich ſeine Angriffspläne nur als Verbündeter oder als Herr von Sachſen entworfen.
Im Verlauf der beiden erſten Schleſiſchen Kriege rechnete der König noch auf ein Franzöſiſch⸗Bayeriſches Heer, welches ſeiner Anſicht nach längs der Donau von Paſſau über Linz auf Wien vorgehen mußte. Ein zuſammenwirkender Angriff durch Mähren bezw. Böhmen und längs der Donau bis in die feindliche Hauptſtadt iſt der leitende Gedanke, der ſich durch alle Offenſivpläne Friedrichs des Großen gegen Oeſterreich wie ein rother Faden hindurchzieht.
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