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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
Entstehung
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Wir ſehen, der kühne Gedanke des Königs, den Feind in feiner Haupt­ſtadt, die Römer in Rom anzugreifen, iſt zu einerExpedition nach Ober­Oeſterreich, zuEroberungen im Grenzgebiete verblaßt.

Der ſtrategiſche Aufmarſch der Franzöſiſchen Armee bei Düſſeldorf , im Verein mit dem der Elb⸗Armee, bewog in der That den König von England, von ſeinen kriegeriſchen Abſichten abzuſtehen, und brachte Sachſen dazu, ſich an Frankreich und Preußen anzuſchließen.

Die Operationen gegen Oeſterreich dagegen nahmen einen ſchwächlichen Verlauf. Der König hatte bald nach Empfang des Franzöſiſchen Feldzugs­planes ſeinen General⸗Feldzeugmeiſter, Baron Schmettau, in das Haupt­quartier des Kurfürſten von Bayern geſchickt und Schmettau die Inſtruktion ertheilt,der Hauptgrund ſeiner Commiſſion beſtehet darin, daß er alle nur erſinnlichen Persuasionen brauchen ſoll, um des Churfürſten Durchlaucht dahin zu disponiren, damit Dieselbe, ſtatt Dero operationen in Böhmen vorzunehmen, ſolche auf die öſterreichiſchen Lande richten, mit der Armee dahin und grade auf Wien marſchiren, als wodurch der ganzen Sache in kurzem und auf einmal ein Ende gemacht werden kann. Es gelang auch Schmettau, durch das Gewicht ſeiner Gründe mehrere Male den Kurfürſten für den Ge­danken zu begeiſtern, immer aber wußten andere Einflüſſe in dem Franzöſiſch­Bayeriſchen Hauptquartier, in dem man Kriegsrath über Kriegsrath hielt, die Ausführung zu hintertreiben. Dieſe ſich bekämpfenden Strömungen hatten für die Operationen folgendes Ergebniß: Am 31. Juli wurde die Grenz: feſtung Paſſau ohne Anſtrengung erobert, dann geſchieht ſechs Wochen lang nichts, vom 11. bis 14. September rückt alsdann die Franzöſiſch⸗Bayeriſche Armee bis Linz , alſo in vier Tagen ſieben Meilen weit vor, um dort aber­mals 14 Tage unthätig zu verweilen. Am 1. Oktober wird die Enns übers ſchritten, jedoch ſchon am 5. Oktober beſchloſſen, nicht weiter wie bis St. Pölten vorzurücken und dann von dort über Krems nach Budweis zurück zumarſchiren.

Die Hülfe, die der König von ſeinen Verbündeten erwartet hatte, war alſo ausgeblieben; in den drei Monaten, die ſeit der Abſendung ſeines Kriegs­planes verſtrichen waren, hatte ſich ihm gegenüber nichts geändert, von den drei dort entwickelten Fällen war keiner eingetreten, und nach wie vor ſteht Neippergs Heer unangreifbar hinter der Neiße . In dieſer Lage verſchafft ſich der König durch den Vertrag von Klein⸗Schnellendorf die Freiheit der Be­wegung wieder, welches die matte Kriegführung ſeiner Verbündeten nicht zu bewirken vermocht hatte. Der Vertrag beendete in der Hauptſache die Feind­ſeligkeiten zwiſchen Oeſterreich und Preußen für das Jahr 1741, da er den Abmarſch des Neippergſchen Heeres aus Schleſien zur Bedingung hatte.

Der zweite Feldzugsplan des Königs iſt vom 20. Februar 1742. Auch dieſem waren ſchon Vorbeſprechungen, ja ſogar ſchon Operationen voraus­gegangen, die kurz Erwähnung verdienen.

Nach dem Abmarſch Neippergs hatte der König Neiße, dann Glatz und