75
in feinen weiteren Anordnungen aus. Anfang März maſſirt er feine Armee an der Straße Brünn — Wien , fein Hauptquartier iſt in Selowitz, er errichtet in Wiſchau und in Hradiſch , alſo auf den beiden Straßen nach Wien und Preß burg , Hauptmagazine und erläßt endlich, am 13. März, Befehle, welche die ganze Preußiſche Kriegsmacht und zwar die geſammte Kavallerie und die Infanterie bis auf zehn Bataillone, die im Lande zurückbleiben, an der Thaya und der March vereinigen ſollen. Die Elbarmee unter Kommando des Fürſten Leopold von Anhalt⸗Deſſau erhielt die Ordre, von Magdeburg nach Jägerndorf und von da über Fulnek zu marſchiren.„Ew. Libden Corps ſoll auf Tirnau operiren“ heißt es wörtlich. Tirnau liegt ſechs Meilen nord—öſtlich Preßburg .
Der Gedanke, in wenig Wochen eine ganze Armee von der mittleren Elbe an die Donau zu werfen, erinnert lebhaft an die Ueberführung des Franzöſiſchen Heeres aus dem Lager von Boulogne nach dem Rhein , die Napoleon im Jahre 1805 anordnete.
Zwei Tage nach Abgang dieſer Befehle ſchreibt der König aus Selowitz an den Kardinal Fleury, theilt ihm ſeine getroffenen Anordnungen mit, zählt ſeine Truppen auf, nach Vollendung der Konzentration einſchließlich der Sachſen 85 Bataillone, 171 Schwadronen, und ſagt befriedigt:„von meiner Seite bin ich des Erfolges ſicher“.
Die Spitze wäre doch nicht ſo ganz ohne Kraft geweſen, die damaligen Heereseinrichtungen, wenn ſie nur von dem Geiſte eines Friedrich beſeelt wurden, reichten wohl dazu aus, ein mächtiges Heer an die Donau heranzuführen, und was die fo ſehr geſicherte Lage der Oeſterreichiſchen Hauptſtadt betrifft, ſo bedarf auch dies einiger Einſchränkungen.
Es liegt aus den Znaimer Tagen ein Memoire vor, welches, von Franzö
ſiſcher Seite an den König geſchickt, die Aufſtellung von zwei Pontontrains auf Hackets zur Ueberbrückung der Donau ins Auge faßt. Friedrich hielt dieſelben aber gar nicht einmal für nöthig, denn er lehnt die Anſchaffung der Pontons mit den Worten ab:„meine Operationen richten ſich hauptſächlich auf Presburg, wo ich übergehen kann, ohne ſo theuere Pontons zu haben!“.*) *) Außerdem befindet ſich im Königl. Sächſ. Haupt⸗-Staats⸗A rchiv zu Dres den ein dienſtlicher Bericht des Generals Grafen Rutowsky an den König von Polen vom 14. März 1842. Graf Rutowsky hatte bis zum 6. März den Oberbefehl über die Sächſiſche Armee geführt, dann Urlaub genommen und ſich an dieſem Tage von König Friedrich verabſchiedet. Bei dieſer Abſchiedsaudienz bat Friedrich den Grafen, den in der Pol. Corr. II. Nr. 735 abgedruckten Brief feinem Kriegsherrn zu überreichen. Rutowsky berichtet nun über die Unterredung mit Friedrich wörtlich:„que son dessein etoit de mareher avee les deux Armses jointes, droit à Presburg pour tacher de s'en rendre le maitre afin de etre aussy du Pont qu'il y a. Que pendant ce tems le Marechal de Belleisle marcheroit vers le Danube, pour se saisir des Ponts à Crems et à Lintz pour etre maitre du Danube et aller 4 Vienne; que si ces mouvemens la mobligeoient pas la Reyne de Hongrie à faire la paix, que La Majte Prusse marcheroit aussy à Vienne et que cela Luy porteroit le coup au coeur“.