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Kampf gegen Maria Thereſia mit Ausſicht auf Erfolg fortzuführen. Um die Geneigtheit feines Königs zu energiſcher Kriegführung zu zeigen, erſchien Ende Februar der Chef des Franzöſiſchen Generalſtabes, Ritter Courten, in Berlin , um mit König Friedrich über einen neuen Angriffsplan zu unterhandeln.*)
Aber auch die Gegenpartei arbeitete emſig, und die Oeſterreichiſchen Diplomaten trugen ſchließlich den Sieg über die Franzöſiſchen davon. Acht Wochen nach der Sendung Courtens ſchloß Maximilian Joſeph unter Verzicht auf die Kaiſerkrone den Sonderfrieden zu Füſſen . Damit aber fiel jede Möglichkeit fort, die Operationen der Preußiſchen Armee im Einklang mit der Franzöſiſchen zu regeln, und der König von Preußen mochte zuſehen, wie er ſich der feindlichen Uebermacht erwehrte.*)
Genau wie am 10. April 1741 der Vertrag zwiſchen Oeſterreich und Sachſen in Gegenwart der Geſandten Rußlands und Englands, wenn auch noch nicht unterzeichnet, ſo doch adjuſtirt und paraphirt worden war, ſo wurde auch der neue Vertrag zuerſt zwiſchen Auguſt III. und Maria Thereſia ab— geſchloſſen. Er wurde in Dresden am 29. April, in Wien am 2. Mai unterzeichnet.
England und Rußland waren wieder noch nicht förmlich beigetreten, aber König Georg hatte ſich gegen den Oeſterreichiſchen Botſchafter dahin geäußert, man müſſe„alle Kräfte ohne Zeitverluſt anſpannen, um den König von Preußen über den Haufen zu werfen, denſelben ſodann in die Acht erklären und das Kurfürſtenthum Brandenburg an ſeinen Bruder übertragen“, und Rußland hatte einen Antrag Friedrichs auf Vermittelung rundweg abgelehnt.
In militäriſcher Hinſicht hatte der König zunächſt aus Weſt und Oſt noch nichts zu befürchten. Die Engliſch -Hannoverſchen Streitkräfte ſtanden in Flandern den Franzöſiſchen gegenüber, und ehe ein Ruſſiſches Heer an der Preußiſchen Grenze erſcheinen konnte, mußte der Sommer vergehen.
Dagegen war die Oeſterreichiſch⸗Sächſiſche Heeresmacht, die ſich im Süden ſammelte, um ſo gewaltiger. Die in Böhmen und Mähren verfüg
*) Die Sendung Courtens gab dem Könige Veranlaſſung, ſeine Gedanken niederzuſchreiben und dem Miniſter Grafen Podewils zur Mittheilung an Courten zuzuſtellen. Die Arbeit(Pol. Corr. IV. 1738) trägt die Ueberſchrift:„Eſſai in Form eines Memoires über den Kriegsplan des bevorſtehenden Feldzuges.“ Der Aufſatz iſt nicht eigentlich ein Feldzugsplan, wohl aber zeigt er deutlich die ſtrategiſchen Auffaſſungen des Königs und iſt deshalb von dem höchſten Intereſſe, weil er an dem Wendepunkt niedergeſchrieben iſt, in welchem der König vom Angriff in die Vertheidigung überging. Ein Theil der Schrift iſt in Deutſcher Ueberſetzung im Anhang abgedruckt.
** Der Herzog von Noailles ſagt ausdrücklich in ſeinem Gutachten an den König Ludwig XV. auf die Nachricht von dem Frieden zu Füſſen :„Der König von Preußen wird ſich gezwungen ſehen, um jeden beliebigen Preis ſeinen Ausgleich zu machen. Nicht die mit den Verbündeten getroffenen Vereinbarungen aufrecht zu erhalten, iſt noch der Zweck des Krieges, ſondern die eigenen Grenzen zu vertheidigen und ſich gegen feindliche Eroberungen zu ſchützen.“