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gründete Zusammengehen im akademischen Wirken Früchte reiften, wie sie nur selten gereist sind. Das Wort „Marburger Schule" ist nicht von uns, sondern von andern zuerst gebraucht, aber von uns gerne ausgenommen worden, denn wir erlebten es, daß der Marburger philosophische Geist durch die eigenartigen Bedingungen unseres Zusammenarbeitens ungesucht, uns selber kaum bewußt, ein eigener geworden war, den wir in jeder aus der Tiefe kommenden Aeußerung eines alten Marburgers ohne weiteres wiedererkennen. Das Wort wollte die philosophische Richtung bezeichnen, und die ist gewiß auch nicht gleichgültig für das, was es besagen will; aber es bedeutet uns noch etwas mehr, es bedeutet uns den menschlichen Geist, der nur auch im philosophischen sich eigentümlich ausprägen mußte, denn Philo- sophie ist wissenschaftliche Selbsterfassung des Menschlichen in seiner Gaaltete unter der nzheit. Wie aber dies sich eigen gest eignen Bedingtheit unseres philosophischen Wirkens hier in Marburg, das wurzelte ganz in der Eigenart dieses Mannes. Und es gab jedem, der davon berührt wurde, auch wenn nicht gerade Philosophie ihm ein erstes Anliegen war, etwas von dieser be-
stimmten Art seelischer Innerlichkeit und Idealität, an der wir
„Marburger" uns erkennen.
Indessen soll damit keineswegs in den Hintergrund geschoben werden, daß doch vor allem in seiner Philosophie das Persönliche dieses Mannes sich ausgeprägt hat. So in seinem Persönlichsten konnte seine Philosophie nur wurzeln, indem umgekehrt von dieser Philosophie sein Persönliches ganz erfüllt war. In ihr aber lebt es fort und wird erfaßlich bleiben auch noch für späte Geschlechter. Denn diese Philosophie hat in sich eine Kraft zu leben, wie nur irgendeine Schöpfung der Vorzeit, die in der Menschheit lebendig geblieben ist. Davon einen vollen Begriff zu geben ist freilich in den hier gebotenen Grenzen nicht möglich. An mehr als eine llmrißzeichnung kann nicht gedacht werden; für eine solche aber wird es genug sein nur ein paar Erundzüge als die eigensten, am meisten kennzeichnenden herauszuheben.
Als ganzer Mensch strebte Cohen zur Ganzheit des Men-