21
Leibniz kennt das individuelle Gesetz. Er hatte es, zunächst nur für die Theoretik, entdeckt am Problem des Infini- tesimalen. An demselben Problem aber hat kein andrer als H. Cohen es wiederentdeckt.
Die scheinbare Nebenarbeit: „Das Prinzip der In- finitesimalmethode und seine Geschichte" (1883) bedeutet darum in Cohens Entwicklung gradezu die entscheidende Wendung. Im Untertitel ist die Schrift bezeichnet als „ein Kapitel zur Grundlegung der Erkenntniskritik". Dieser Terminus ist neu: Vernunftkritik hieß es bei Kant; „wir objektivieren", sagt Lohen, „in seinem Sinn, im Geist und Buchstaben des kritischen Systems, die Vernunft in der Wissen schaft .. . Darin erst reift der Idealismus selbst zur Wissen schaft, indem er nicht Dinge und Vorgänge, auch nicht solche des Bewußtseins schlechthin, sondern wissenschaftliche Tatsachen, die Tatsache der Wissenschaft selbst zu seinem Objekt macht." Damit ist nur noch nicht bestimmt genug gesagt, daß diese Tatsache vielmehr selber Tat ist, ein Tun, nicht ein Getanes; Wissenschaft ist Wissenschaften, niemals hat sie etwas zu Ende geschafft. In dem ebenfalls hier zuerst eingeführten Terminus des „Ursprungs", vielmehr in der Korrelation des Ursprungs und der Erzeugung aus ihm, kommt eben dies zum klaren Ausdruck; denn sie bedeutet das logische Hervorgehen des Endlichen aus dem Unendlichen; das heißt (denn einen andern Sinn des Unendlichen erkennt die Kritik nicht an) aus der Idee, als dem wahrhaft realisierenden Prinzip. Darin ist alle Starrheit des Faktums überwunden, das Getane
v. K. Goedeke, Stuttg., Cotta XXXII 223): „Allein die lebendige Natur könnte dieses einfache Bild (den „osteologischen Typus") nicht in das Unendliche vermannigfaltigen, wenn sie nicht einen großen Spielraum bätte, in welchem sie sich bewegen kann, ohne aus den Schranken ihres Gesetzes herauszutreten." (248 f.): „Denn indem wir uns nach Gesetzen umsehen, wonach lebendige, aus sich selbst wirkende, abgesonderte Wesen gebildet werden . . ." (und was weiter folgt: ferner 33S, 347 u. ö.).