überhaupt die Rede sein kann. Damit aber ist zugleich das Individuelle, ganz in seiner inneren Unendlichkeit, erfaßlich geworden, allerdings im Gesetz, aber im beweglichen — im selbst individuell und damit erst ganz real gewordenen Gesetz.
Die so an einem Einzelpunkt gewonnene Lösung des härtesten Problems der Erkenntnis, des Problems des Individuellen, forderte nun aber eine ganz allgemeine Durchführung durch alle Gebiete des Erkennens. Dazu eben bedurfte es des völligen s Neubaues des Systems . Nachdem mit „Kant Begründung der Ästheting k" (1889) die große Abrechnu mit Kant zum Abschluß gediehen war, ging Cohen rüstig an diese neue, weit größere Aufgabe, die Aufgabe des Systems der Philosophie. Als „Grundlegung" des Systems führt die „Logik der reinen Erkenntnis" (1902) sich ein; sie legt zu ihm den Grund am tiefsten in dem neu gewonnenen Begriff des „Ursprungs". Logik handelt vom Denken; Denken aber tm prägnanten Sinn ist Denken des Ursprungs. „Dem Ursprung darf nichts gegeben sein, das Prinzip ist Grundlegung in buchstäblicher Genauigkeit. Der Grund muß Ursprung werden. Wenn anders das Denken im Ursprung das Sein zu entdecken hat, so darf dieses Sein keinen, keinerlei anderen Grund haben als den das Denken ihm zu legen vermag." — Soll das aber ernstlich gelten für die Grundlegung des Systems, so müßte das System selbst durch die Logik erzeugt werden. „Alle reinen Erkenntnisse", sagt Cohen, „müssen Abwandlungen des Prinzips des Ursprungs sein, andernfalls hätten sie keinen selbständigen, wie keinen reinen Wert." Nun sollen doch die Prinzipien der Ethik, der Aesthetik nicht minder reine Erkenntnisse sein wie die der Theoretik. Wieso also sind auch sie Abwandlungen des Ursprungs? Sicher nicht, sofern das Prinzip des Ursprungs bloß das des Infinitesimalen bedeutet. Und gewiß will es etwas mehr bedeuten. So heißt es weiterhin: „Was wäre die Ethik ohne den Begriff des Ursprungs? In ihm liegt die Wurzel für die Grundlage der Ethik: das Prinzip der Freiheit." Aber diese somit schlechthin notwendige Erwei-