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Hermann Cohen als Mensch, Lehrer und Forscher : Gedächtnisrede, gehalten in der Aula der Universität Marburg, 4. Juli 1918 / von Paul Natorp
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terung des Sinnes desUrsprungs" wird noch nicht durchsichtig. Darum will auch die Vereinbarung der Logik mit der Ethik hier noch nicht überzeugend werden. Noch immer scheint es bei der starren Abgrenzung zu bleiben. Diese soll gewiß auch Angren­zung sein; die Gerechtsame beider, und so aller unterschiedlichen Richtungen, in denen Gegenstände erzeugt werden, sollen, als ob sie miteinander im Kriege lägen, eine Art pazifistischen Aus­gleichs finden, merkwürdiger Weise in einer neuartigen Psy chologie. Diese wird zwar jetzt in strengster Korrelation ge­dacht mit der dreifachen Grundlegung der Gegenständlichkeit in Logik, Ethik, Aesthetik. Aber doch scheint noch immer nur nach einer nachträglichen Vereinbarung gefragt zu werden; noch immer nicht will die reine Erzeugung der drei Grund arten der Gegenstandssetzung selbst aus dem einzigen Quell jenes Urlogischen, auf das doch der TerminusUrsprung" hinzudeuten scheint, klar werden.

Aber indem dann Cohen an die Grundlegung der Ethik herantritt, beginnt es zu tagen, daß zum wenigsten diese zwei, Logik und Ethik, nicht nur aneinandergrenzen, auch nicht nur ineinandergreifen, ja sich gegenseitig ganz durchdringen, son­dern, um so ineinandergreifen und sich durchdringen zu können, beide aus einem, und zwar logischen, übergeordnet logischen Quell sich herleiten müssen. Der Begriff der Wahrheit tritt geradezu an die Spitze der Ethik, als der Logik des Willens. Für den Zusammenhang der Ethik mit der Logik bedarf es einer vereinigenden, beide verknüpfenden Methode, vermöge welcher die Logik selbst ebensosehr die Ethik fordert. Die Methode aber, mittels derer Logik und Ethik, beide zugleich, nicht eine allein, erzeugbar werden (sagt Cohen), diese ver­einigende, diese einheitliche Methode, sie vollbringt und ver­bürgt die Wahrheit. Er zitiert das bekannte Lessingwort vom Besitz der Wahrheit und dem Suchen nach ihr, und be­freit von der Qual der Wahl durch die Besinnung: das Suchen der Wahrheit, das allein ist die Wahrheit. Im Suchen aber,, in der Methodik der Begründung, liegt schon das Urmoment,