ALBERT HOPPE, PERLEBERG
Plattdütsch
Es sind oft kleine Erlebnisse, die in grundsätzlichen Dingen von Bedeutung oder gar von entscheidender Kraft werden können. Das Geschehnis, das mir voll bewußt werden ließ, wie sehr das Plattdeutsche ein wohlgehüteter Schatz, eine Haltung und ein gemeinschaftsbildender Faktor sein kann, liegt einige Jahrzehnte zurück und passierte einige tausend Meilen von hier. Ich war unter englisch sprechenden Menschen. Meine Sprachkennt- nisse waren dürftig, und es haperte überall. Da fragte ich denn einen Gesprächspartner, einen Farmer deutschen Namens, ob er denn wirklich gar kein Deutsch mehr spräche. „No“, sagte er, „dütsch kann ick nich, öwer plattdütsch kann ick snacken.“ Das war eine der schönsten Freuden auf meiner damaligen „Weltreise“. Als ich dann ein paar Tage später auf die Einladung dieses Farmers hin in dessen Gebiet kam, vertiefte sie sich bis zur Beglückung. Seit Generationen saßen diese Menschen hier, gekommen einst auch aus unserer Prignitz, vornehmlich aus der Wische. „Ut Besandten un Unbesandten, Beschäten un Unbeschäten“, wie einer der Farmer mir erklärte. Er hatte zwar diese Dörfer und die alte Heimat nie gesehen, aber ich kam ja gerade daher, und so konnte ich sie schildern und auch sagen, daß der Großvater ihnen mit den beiden letzteren Dörfern einen Bären aufgebunden hatte. Das alles machte mir rechte Freude und vor allem dann, als eines der Kinder hereingesprungen kam und einen Wunsch äußerte, auf englisch. Die Mutter erwiderte: „Segg et dütsch, denn kannst du’t krieg’n“.
Wieviel schörier war dieses Erlebnis als ein anderes, das ich, auch vor ein paar Jahrzehnten, hier in einem Dorfe unserer Prignitzer Heimat selbst hatte. Es war in einem stattlichen Bauernhaus. Wir saßen am Sonntagnachmittag in der „guten Stube“ am Kaffeetisch. Als die Kuchenberge kleiner geworden waren, fragte die Tochter des Hauses: „Mudder, kann ick nu spöl’n gohn?“ Diese Mutter hatte eine andere Antwort als jene in der fremden Welt. „Nein“, sagte sie. Und sie fügte hinzu: „Erst mußt du noch Klavier Vorspielen. Und dann hast du schon wieder vergessen, daß du nicht immer plattdeutsch sprechen sollst!“
Die Welt geht vorwärts. Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung sind unaufhaltsam. Wir wollen nichts konservieren, was überlebt und wertlos geworden ist. Das ist ohne Daseinsberechtigung. Die guten Eigenschaften eines Volkes aber, zu denen auch die Mundart gehört, überleben sich auch in einer fortschrittlichen Zeit niemals, sondern entwickeln sich mit ihr. Wenn große, fortschrittliche Staaten den Nationalitäten innerhalb des
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