Saat des Sturmes
Ein Heimatspiel in 10 Bildern von Will Anders Ort der Handlung: Kyritz
Fortsetzung
In der „Denkschrift“ von Oberprediger Dr. Bauer (1846), die dem Verfasser als Quelle diente, wird berichtet, daß Hirsch (Cervus) unter Beihilfe des Bedienten Belitz und des Ackerbürgers Schäfer sein Geld zur Hälfte unter einem Großvaterstuhl in der kerstenschen Wohnstube, zur andern Hälfte im Stübchen des Belitz, das im oberen Stockwerk des Hauses lag, in einem Fäßchen versteckte. Die Husaren Dau und Schickerling kamen in das Haus Kerstens und forderten „mit Ungestüm“ von Christiane Kersten das „französische Geld“. Christiane setzte sich auf den Großvaterstuhl und sagte, sie wisse von keinem Gelde. „Beide hießen sie aufstehen“, so heißt es wörtlich, „fanden sogleich das Geld, das sie an sich nahmen und forttrugen“. Nach einer halben Stunde kam Dau wieder, diesmal mit dem Wachtmeister Fischer, der von Christiane den Rest des Geldes verlangte. Wieder sagte sie, daß sie nichts wisse, worauf die Soldaten in das Stübchen des Belitz gingen und auch da sofort das versteckte Geld fanden. Sie wußten also genau Bescheid.
Im Stück sind diese beiden Ereignisse zu einer Szene zusammengezogen.
4. BILD
Zimmer im Hause Kerstens, wie im ersten Bild. An einer Pforte erscheinen Wachtmeister Fischer und die Husaren Dau und Schickerling. Sie klingeln oder klopfen. Daraufhin erscheint sehr schnell, so, als hätte er sie schon erwartet, Belitz und öffnet.
Fischer:
Belitz:
Fischer:
Belitz:
Fischer:
Belitz:
Fischer:
Belitz:
Fischer:
Dau:
Christiane:
(leise) Ist Cervus da?
(diensteifrig, leise) Nein, Herr Cervus ist nicht hier. Kersten?
Nein, Herr Kersten ist auch nicht hier.
Weißt du Bescheid?
Zu Befehl, Herr Wachtmeister.
Na, dann ruf uns mal die Madame.
Zu Befehl, Herr Wachtmeister. (Belitz eilt nach hinten)
Das scheint ja zu klappen. '
Der ist sicher. Ich kenne ihn. Alter Göcking-Husar, hat dann beim Baron von Eckardstein gedient.
(kommt eilig herein, sehr freundlich) Ah, guten Abend, meine Herren. Sie bringen uns bestimmt Einquartierung, Herr Wachtmeister. Entschuldigen Sie, daß ich Sie warten
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