von unfern äußersten Vorposten in Büderitz, eine starke Viertelmeile von Magdeburg, angegriffen. Dieser Vorposten bestand aus 20 Husaren, 40 Dragonern von uns u. etwa 150 Kosacken u. 50 Füsilieren. Sie hielten die Franzosen, die sehr versteckt gingen, für nicht viel stärker als sich, attackierten u. wurden natürlich etwas zurückgedrängt. Sie lehnten sich nun aber an ein kleines Gebüsch zwischen der Ele u. Elbe und vertheidigten sich da tapfer; die Fr. luden indeß frischweg ihr Heu auf. Natürlich war indeß aber auch in der Cantonnirung Alarm geworden, wir rückten aus u. gingen im Trabe bis 1/2 Meile vom Champs de battailes vor, dort blieb das Regt, stehen mit dem Obristl. T. u. die 1. Schwadron, bei der ich stehe, bekam Befehl zum Loutien vorzugehen. Wir gingen also hin, konnten aber nicht was essekluiren, da das Gefecht sich ins Gebüsch gezogen hatte. Wir hätten zwar doch gern eingehauen, der Prinz von Hessen-Homburg ließ uns aber nicht. Endlich kamen einige Compagnien Musketiere u. Füsiliere. Nun ging ein ganz artiges Geknatter los. Die Franzosen retirirten, stellten sich aber doch noch einmal, machten Front u. wollten drauf, da bekamen sie eine Ladung Kartätschen von 2 Kanonen der reitenden Batterie, die mit großer Mühe waren über die Elbe geschafft worden. Die Lage Kartätschen machte Licht unter ihnen u. nun gings auch gleich an ein Laufen, daß sie die Hacken verloren. Sie liefen gerade nach der Elbe zu, sprangen dort in die Kähne u. fuhren über, viele sprangen zu kurz u. ersoffen, viele wurden noch in den Kähnen u. auf der Flucht totgeschossen. Ueberhaupt verloren sie bei der schnellen Flucht u. bei der Ueberfahrt viel Menschen u. den letzten Kahn mit 47 Mann Italienern, Flandern u. Deutschen bekamen wir ganz u. gar. Alle Kähne, sowie das Heu wurden nachher von uns den Flammen übergeben. Der Verlust der Fr. war über 100 M., der unsrige 10—15 M. Ich denke das Ausfallen wird ihnen wohl vergehen.-
Leb wohl, lieber Vater, bleibe ja gesund u. gut
deinem treuen Sohn
Hans.
Neutz b. Wettin a. d. Saale, den 29. April.
Meine liebe theure Mutter,
-Du willst wissen, liebe Mutter, wie mir so recht zu Muthe ist? Recht
gut, u. ich kann würklich sagen, ich gefalle mich in meinem jetzigen Stande
recht sehr.-Ueberfällt mich ja einmal etwas Unmut od. üble Laune, so
denke ich mir eine dereinstige, hoffentlich glückliche Wiederkehr u. daß ich meine theure liebe Mutter u. Euch Alle, meine Lieben, noch einmal Wiedersehen werde u. dann bin ich gleich wieder froh. Ich kann Dir gar nicht beschreiben, liebe Mutter, wie mir ist, wenn ich mir ein glückliches Wiedersehen denke. Ich weiß nicht, dann kommt mir wohl manchmal der Gedanke, die Freude, Euch alle gesund, glücklich wiederzusehen, wäre zu groß, als daß Gott sie mich könne genießen lassen; ich verdiene sie nicht. Doch Gott thut uns ja immer mehr Gutes, als wir verdienen! —
Wie mir war, wie mir ist, wenn die Kugeln um mich pfeifen? Ich bin zwar noch nicht oft in dieser Lage gewesen. Doch will ich Dir mein Gefühl recht offen beschreiben. Ich habe mich selbst, soviel es anging, beobachtet u. gefunden, daß, bis auf eine gewisse, ich möchte sagen, instinktmäßige Beklommenheit, die mich einige Augenblicke lang, ehe die Sache losging, ergriff, kein Gefühl der Furcht mich weiter anwandelte. So wie es mir vorkommt, bin ich während des Feuers selbst ziemlich ruhig u. sogar gleichgültig. Das ist aber auch meines Erachtens kein großes Verdienst, denn wenn man erst drin ist, so hat man gar nicht mehr recht die Zeit, sich gehörig zu besinnen, in welcher Gefahr man