Heft 
(1914) 2
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schwebt; es geht gar zu toll von allen Seiten, u. man hat doch auch mitunter Gelegenheit, interessante u. zerstreuende Beobachtungen, zum Teil im Gebiete der Physiognomik anzustellen. Kommts zum Einhauen, nun dann:Auf Gott vertraut, brav eingeh aut."-

Den 28. gestern fing nachmittags Plötzlich in der Entfernung von einigen Meilen eine starke Kanonade an, hörbar zu werden nach Halle zu. Wir brachen auf, Treskow kam mit einer Schwadron zu uns u. wir gingen auf Wettin zu, wo die Fr. über die Saale gegangen sein sollten. Wir marschirten, bis es dunkel wurde, als aber unsere Avantgarde sich Wettin näherte, verließen es die Fr. u. setzten wieder über die Saale. Wir bezogen hierauf ein Bivouacq u. begaben uns zur Ruhe. Ich war so im ersten Schlafe begriffen, als eine Ordonnanz ankam, die mir die Ordre brachte, sogleich nach Halle hin eine Patrouille zu machen, um Erkundigungen über das dortige Gefecht u. zwar sehr genaue sogleich einzuziehen, ev. zu untersuchen, ob H. von uns od. dem Feinde besetzt sey. Die Sache war etwas kitzlich, denn erstens war die Nacht so finster, daß ich nicht den Kopf meines Pferdes sehen konnte, zweitens regnete es gräßlich, drittens waren wir nach Halle zu, welches starke 3 Meilen vor uns lag, die äußersten preuß. Vorposten u. ferner kannte ich durchaus die Gegend nicht. Daß zwischen uns u. Halle keine Preußen mehr standen, wußte ich. Man wußte sogar nicht, welcher preuß. Gen. dort sich geschlagen hätte. Ich suchte mir natürlich tüchtige Kerls aus guten Pferden aus u. ging getrost im Trabe fort. Anfangs begegnete ich lauter Flüchtlingen, die schreckliche Dinge erzählten, drauf nichts u. endlich kurz vor Halle Grodnoschen Husaren. Da ward mir leichter ums Herz, bes. als ich erfuhr, daß in Halle Gen. Kleist wäre u. das Gefecht zu unserem Vorteil. Ich begab mich nun zu ihm in die Schanzen, bekam meine Instruktion u. ging hierauf um 3 Uhr morgens, nachdem ich noch eine Tasse Kaffee getrunken, wieder auf den Rückweg. Die Fr. hatten mit 26 Kanonen die Stadt immerfort sehr heftig beschossen, doch war unser Verlust gering u. wir behaupteten Halle.-

Grüße Vater, Geschwister u. Freunde herzlich u. innig von

Deinem Hans.

_ (Fortsetzung folgt.)

Ausflug des Heimat- und Museumsvereins

nach Zechlin.

Am 3. Pfingstfeiertage wurde der erste Ausflug unseres Vereins unter­nommen, es ging nach Zechlin. Das Wetter war etwas kühl, doch blieben wir vom Regen verschont, der nur dann einsetzte, wenn wir unter Dach und Fach beim Mittagessen und Kaffeetrinken saßen. Es nahmen an dem Ausfluge 36 Damen und Herren teil, darunter als Gast Herr Universitäts-Professor Dr. Gustaf Kossinna.

Bis Buschhof fuhren wir mit der Eisenbahn, von dort brachten uns Kutsch- und Leiterwagen nach dem Wummsee. Ruhig und still lag er da, rings von Wald umgeben! Grün leuchtete sein Wasser zu uns herauf; die kleine Insel, mit wenigen Bäumen nur bestanden, schien auf seiner Oberfläche zu schwimmen. Schön war die Landschaft, trotzdem graues Wetter war. Plötzlich aber teilten sich die Wolken für kurze Zeit, und die Sonne brach hindurch, Wald und See mit ihrem Licht überflutend: ein herrlicher Anblick, der seinesgleichen sucht! Zu Fuß umwanderten wir ein Stück des Wummsees, bis zur Höhe, wo man den Twernsee mit Luhme erblickte. Ein wie anderes Bild bot doch dieser! Statt grüner Wälder umkränzen lachende Saaten seine Ufer. Heiter und lieblich lag er da, hinter ihm vor einem Waldstreifen das Dorf Luhme mit dem neuerbauten Schulhause. Der Twernsee besaß früher eine Insel, die im Laufe der Zeit durch Ver-