Heft 
(1914) 2
Seite
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Der Fischreiher.*)

(Ardea cinarea.)

Der Fischreiher gehört zu den weit Verbreitesten Vögeln und kommt in allen 5 Erdteilen vor. Unausgesetzte Nachstellungen in den letzten Jahrzehnten, die teils dem Fischräuber, teils seinem kostbaren Federschmuck galten, haben seine Zahl in Deutschland gewaltig vermindert. Wie eine Sage klingt es, daß noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Kolonien von 2000 Horsten in Deutschland gefunden wurden. Um den dauernden Nachstellungen zu entgehen, gewöhnt der Reiher sich mehr und mehr daran, einzeln zu horsten, was früher so gut wie niemals vorkam. Für den Norden Deutschlands ist er ein Zugvogel. Er liebt besonders den Aufenthalt an fließenden Wassern und an ruhigen klaren Seen, verschmäht aber auch nicht kleine Teiche und Tümpel, wenn sie ihm Gelegenheit zum Fischen bieten. Für solche ist er ein gefährlicher Gast, da schon nach wenigen Tagen keine Flosse mehr darin zu finden sein wird. Seine Ruhezeit verbringt

er gern auf den dürren Asten hoher Bäume. Horsten tut er in Wäldern, oft meilenweit von seinem Fischplatz entfernt. Hohe starke Bäume, die schwer zu erklimmen sind, werden bevorzugt, auf diesen finden sich oft vier oder fünf

*) Das Bild des Fischreihers haben wir dem Verlage Theo Thomas zu danken, der uns bereitwillig das Klischee überließ, die Abbildung ist dem auch für unsere Leser interessanten BucheNiedergang unserer Tier u. Pflanzenwelt von Dr. Knauer entnommen. (Preis 1 Mk.) In die Lage, das Bild des großen Sägers zu bringen, hat uns das freundliche Entgegenkommen des Bibliographischen Instituts Meyer (Leipzig) gebracht, der Verlag der Meyerschen Konversations­lexika.