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Noch ein zweites Naturdenkmal war uns zu schauen vergönnt: der Horst eines Fischadlers. Das ist ein gar seltenes Bild für unsere Heimat, und es ist zu begrüßen, daß die edlen Vögel unter dem Naturschutzgesetze stehen, so daß sie nicht ganz aus unserem Landschaftsbilde schwinden. Schön war der Anblick: das Adlerweibchen brütend auf dem Horste in der sturmgebeugten breitkronigen Kiefer, der Adler ruhig und stolz in der Höhe seine Kreise darüber ziehend, ein königlicher Vogel, der es verdient, um seiner Schönheit willen geschont zu werden, trotz des Schadens, den er unter den Fischen anrichtet. Auch unser Museum besitzt einen in Gr.-Pankow (Ostprignitz) von Herrn Förster Francke geschossenen und dem Museum geschenkten Fischadler.
Ein Naturdenkmal anderer Art stellte die einstige Zootzeninsel, die Buchhorst, die jetzt auch zur Halbinsel geworden ist, vor unser Auge. Steil steigen ihre Ufer auf und prachtvoller Wald schmückt sie. Eine Kultstätte alten Germanentums liegt vor uns. Wall und Graben sind an einer Seite noch erkennbar. Gern hätten wir die geheimnisvolle Stätte betreten, aber leider mußte hier das Boot wenden, um uns zu rechter Zeit wieder nach Hause zu bringen. Lebhaftes Bedauern wurde laut, und einstimmig wurde derWunsch geäußert, im nächstenJahre wieder, wenn auch nur als Ausflug an zweiter Stelle, nach Zechlin zu fahren. Das Boot machte schnelle Fahrt, viel zu schnell für uns, die wir uns nicht satt sehen konnten an der Schönheit unsrer Heimat. Bald lagen der Zootzen- und der Große Zechliner See hinter uns und wir waren wieder im Kleinen Zechliner See trotz der starken Brise, die uns entgegenstand. Weiße Kämme krönten die Wogen, der schwarze See hatte einen Weißen Saum. Rechts lag das Sanatorium unseres Mitgliedes Herrn Dr. Kaußmann, und vor uns lehnte sich der Flecken Zechlin an das steile Seeufer, überragt von der Windmühle, ein Anblick, wie man ihn selten in der Ebene findet. Dann gings noch am alten Amtshause vorbei, das an der Stelle der Kurprinzenresidenz steht, und das Boot landete wieder am Gasthofe, wo für uns der Kaffee bereitet war. Herr Dr. Kaußmann hatte uns ein Willkommensgeschenk mitgebracht: einige auf seinem Grundstück gefundene Gegenstände, so daß der Tag unseres Ausfluges auch im Museum ein Denkmal hat. Herrn Dr. Kaußmann sei dafür auch hier Dank gesagt.
Nach dem Kaffee sprach Herr Quente die Hoffnung aus, daß es allen Teilnehmern jetzt gerechtfertigt erscheinen werde, daß als Ziel des ersten Ausfluges des Museumsvereins gerade diese schwer zu erreichende Gegend gewählt worden sei, biete sie doch eine ungewöhnliche Fülle eigenartiger Schönheit, einen Reichtum des Sehenswerten, wie man ihn gern und nicht ohne Stolz als der Heimat - zugehörig in der Erinnerung festhält. Ein Hoch auf unsere Prignitz machte den Schluß. Die Wagen wurden bestiegen, und unter fröhlichem Gesang ging es durch Lutterow, Schweinrich, nach Dranse, von wo die Bahn jeden seinem Heim zuführte.
Unter den Heimkehrenden aber herrschte nur eine Meinung: Herr Quente habe Recht mit seiner Voraussetzung. Jeder hatte mit eigenen Augen gesehen, daß Zechlin eine Perle der Prignitz ist. Möchte doch — das war aller Wunsch —> den Zechlinern und vor allem der Prignitz eine bessere Verbindung mit diesem herrlichen Stück Prignitz beschieden sein, daß mehr Menschen als bisher Zechlins Schönheit genießen können!
v. Goddenthow, Schriftführerin.
Es wird hier auch auf den Artikel „Zechlin, eine Perle der Prignitz" und auf die alte Abbildung von Zechlin im ersten Heft des ersten Jahrgangs unserer Zeitschrift hingewiesen.