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da könnte man etwas Schönes einarten; aber bei uns doch nicht! Genug, genug; antwortete ich dem Zweifler: Unser Boden, der Boden unserer Heimat, erzählt uns soviel, daß ich das in einem kurzen Vortrage garnicht alles wiedererzählen kann, und daß ich mich darauf beschränken muß, was uns die allerobersten Schichten berichten.
Die Wissenschaft nun, welche uns befähigt, dem Erdboden seine Geheimnisse zu entreißen, ist die Geologie. Sie ist die Wissenschaft, welche die Geschichte der festen Erdrinde, ihres Werdeganges und der Entwicklung ihres Tier- und Pflanzenreiches während dieses Werdeganges zu ergründen sucht. Diese Geschichte fängt mit dem Augenblick an, da sich die erste feste Scholle auf dem feuerflüssigen Erdbällen bildete. Leider wissen wir sehr wenig über diese erste Zeit der Geschichte der Erdrinde. Solange es uns nicht gelingt, tiefer in die feste Erdkruste einzudringen, als es uns die heutige Technik durch Bohrungen und durch bergmännisch getriebene Schächte erlaubt, solange haben wir auch wenig Aussicht, dieses Dunkel aufzuhellen.
Man hat die Geologie in 4 Abteilungen geteilt:
1. Die Urzeit (die archäische Formationsgruppe).
2. Das Altertum der Erde (das Paläo z oicum).
3. Das Mittelalter der Erde (das Mesozoicum).
4. Die Neuzeit (das Känozicum).
Diese 4 großen Abteilungen teilt man wieder ein in eine Anzahl von Unterabteilungen und diese Unterabteilungen sind die verschiedenen „geologischen Formationen". So redet man von der filmischen, der cambrischen Formation, kurzweg auch Silur und Kambrium genannt. Ausdrücke wie Kohlenformation, Kreideformation, Lias sind ja auch mehr oder minder dem Laien bekannt.
Die Natur selbst hat uns die Geschichte unserer Erde resp. ihrer festen Rinde geschrieben. Es ist ein gewaltiges Geschichtswerk, das sie uns in Jahrmillionen niedergelegt hat. Die Formationen sind die Kapitel in diesem Werke, und die unvergänglichen Buchstaben, mit denen es geschrieben ist, sind die Gesteine selbst und die Leitfossilien, d. h. jene versteinerten Reste aus der Tier- und Pflanzenwelt, die vor grauer Vorzeit in den Gesteinen eingeschlossen wurden und die es uns allein ermöglichen, uns in dieser selbstgeschriebenen Biographie zurechtzufinden. Diese Versteinerungen sind also für den Geologen von außerordentlicher Wichtigkeit, denn es ist in den meisten Fällen sehr schwer, wenn nicht ganz unmöglich, versteinerungsleere Schichten richtig in der Reihenfolge unterzubringen.
Die 3 hier abgebildeten Versteinerungen gehören dem Silur (Zeit des Auftretens
der Fische und der ersten Landpflanzen) an, Nr. 1 und 2 einem ausgestorbenen, dem heutigen Tintenfisch verwandten Tiergeschichte, Nr. 3 den Trilobiten, einer den heutigen Krebsen verwandten, ebenfalls ausgestorbenen Tierart.
Nun sind nicht alle Versteinerungen als Leitfossilien anzusehen. Es gab viele Tier- und Pflanzenarten, die sich während langer Zeiträume unverändert erhalten haben. Diese kann man natürlich nicht verwenden zur Bestimmung einer engeren geologischen Schicht. Hierzu eignen sich nur solche Tier- und Pflanzenformen, die ein nur verhältnismäßig kurzes Dasein geführt haben. Ich möchte hier erläuternd hinzufügen, daß während des Werdeganges der festen Erdringe eine fortwährende Veränderung
I. Ortkoceras reguläre Sclilotli. Teil des Gehüuses.