Heft 
(1915) 3
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sehr stark abgetragenes Gebirge haben wir in Deutschland. Dort, wo sich heute die lieblichen Mittelgebirge Deutschlands erheben, wie z. B. der Thüringer Wald, ragte vor Jahrmillionen ein mächtiges Hochgebirge, dem man den Namen Armorikanisches Gebirge" beigelegt hat. Aber auch das Meer nagt unauf­hörlich an dem Festlande. Große Strecken Landes werden jährlich von den gierigen Wellen verschlungen, und auch die härtesten Felsen werden nach und nach von den brandenden Wogen zerstört.

Nun ist die Verteilung von Festland und Meer auf der Erdoberfläche nicht immer dieselbe gewesen. Die Erdrinde schwankt in langen Zeiträumen auf und ab. Woher diese Schwankungen kommen, ist bis heute noch nicht sicher festgestellt, aber sie sind sicher nachgewiesen. Da, wo heute unser Fuß auf dem Festlande wandelt, wogte vor langer Zeit das Meer, und umgekehrt, versinken wieder Festländer in die grüne Flut des Ozeans. So kommt es, daß, wo heute auf­gebaut, vielleicht nach langer Zeit wieder zerstört wird. Es ist leicht einzusehen, daß durch diese Vorgänge die Erklärung der einzelnen Ablagerungen recht er­schwert werden können. Ganz besondere Schwierigkeiten haben den Geologen die Ablagerungen unseres norddeutschen Vaterlandes gemacht. Es ist eigentlich erst in der neueren Zeit gelungen, hierüber Aufklärung zu finden. Darauf soll weiter unten zurückgekommen werden.

Feldbriefe aus den Befreiungskriegen.

Herausgegeben von A. v. Au erswald.

(Fortsetzung)

Böhen zwischen Halle u. Merseburg, d. 3. May 13.

Liebe Mutter!

Wir haben gestern in und bei lckalie eine ziemlich blutige Affäre gehabt, bei der unsere Schwadron auch ganz ordentlich ins Feuer kam. Doch hat Gott

mich beschützt und ich sowohl als mein Pferd sind unblessirt.-Die

Franzosen wehrten sich wütend, sogar als die Thore und Kanonen schon ge­nommen waren noch in den Straßen und sogar in den Häusern. Es war die Eroberung von Saragossa in Italien.

Dein treuer Sohn

lckans.

Böhen an der Elster, zwischen Halle u. Merseburg, d. 4. May.

Victoria, lieber Vater, wir haben die Franzosen wieder etwas auf den Trab gebracht!! Ich habe zwar schon gestern durch den Obristl. Treskov der Mutter in einem kleinen Brief etwas davon geschrieben, doch schien es mir so, als ob der Brief, so wie ihn Treskow einlegte, wohl wieder hinausschurren könnte, u. ich benutzte daher sogleich diese ruhige Stunde, um Dir eine voll­ständige Nachricht von unserem vorgestrigen Gefecht zu geben.-

Aus meinem Brief vom 29. aus I^Ieut? bei XVettiu wirst Du ersehen haben, daß Gen. Kleist ickaile besetzt hatte u. ich ihn noch bei einer Patrouille, die ich dorthin machte, dort gesprochen. Von dteut? aus drängelten wir uns den anderen Tag bis Nachmittag u. kamen dann endlich nach Kaltemark, wo wir bivouaquiren sollten. Treslcorv, der von hier aus wieder eine Patrouille nach Halle und dem Feinde schicken sollte, fragte mich, ob ich wohl, obgleich die Reihe nicht au mir wäre, gern wieder eine Patrouille machen wollte u. ob mein Pferd es aushalten würde? Ich antwortete natürlich ja, nahm ein anderes Pferd u. bekam zur Spitze (Avantgarde) meiner Patrouille die beiden Jäger Larl Kamt? u. Referendarius ?eetscll. Ich ging sogleich ab, war aber noch nicht weit gekommen, als ich einen Drag, begegnete der einen gefangenen