Heft 
(1915) 3
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Fr. transportierte, den er diesseits Halle gemacht hatte u. mir meldete, Gen. Xteist habe heute früh ttalle verlassen, er sey weiter vor nach NerseburZ ge­gangen u. die Fr. haben hierauf um Mittag ttalle besetzt, es sey auch schon zwischen dem Rittm. Bulzenglöwe u. Leutn. Gotzkow von unserem Regt. u. einer Schwadron Chasseurs zum Gefecht gekommen. Das machte mich zwar stutzig, doch setzte ich meinen Weg fort, als mir mit einemmal ein Off. im ge­streckten Galopp nahte u. mir Contreordre u. den Befehl brachte, nach Körbig zu gehen. Ich holte das Regt, noch vorher ein u. wir gingen mit aller Vorsicht dorthin. Unsere Schadron kam nach 6ru8enciort ins Quartier. Es gingen starke Patrouillen nach ttalle u. alles blieb gesattelt. Den folgenden Tag war die ganze Avantgarde des Corps unter Gen. Oppen da zusammen und den 1. May abends spät bekamen wir den Befehl, um 3 Uhr morgens in Oppin zu seyn. Wir brachen in aller Stille auf, fanden alle Straßen mit Truppen bedeckt u. als wir am 2. May um 3 Uhr morgens in Oppin ankamen, fanden wir das ganze Bülowsche Corps da versammelt. Jetzt merkte ich, was die Glocke geschlagen hätte.

Wir gingen hierauf in 3 Colonnen nach ttalle zu. Unser Regiment, die schwarzen Husaren und das V. Blankenburgsche Jägerkorps, bei dem auch Dom- hard, Stiege, der Schreiber Schwanke aus Brausen und viele Bekannte sind, machte die Avantgarde. Wir stießen bis kurz vor Halle auf keine Feinde, so daß ich schon beinahe glaubte, die Bestie hätte es so gutwillig verlassen. Als wir auf die Berge von Halle kamen, marschirten wir en ordre de bataille auf. Unser Regiment (was übrigens nur aus unserer und der Schwadron von Bül- zinglöwen bestand, die anderen sind detachirt) war im ersten Treffen und machte mit dem Batailon Ottentioten und einer Batterie den linken Flügel desselben. Als die Tiralleurs und Flankeures sich der Stadt näherten, wurden sie durch Jn- fanteriefeuer empfangen. Der Feind ward indessen hier gleich ins Steintor zu­rückgeworfen. Der Obristl. Treskow, der den linken Flügel kommandirte, ließ das Steinthor liegen, warf unsere Tiralleurs in die Gärten und ging längs der Stadt nach dem Galgentor zu. Unsere Schwadron ging hart an der linken Flanke der Infanterie und als wir so immerwährend gegen die feindlichen Tiralleurs avancirten, entwickelte sich plötztlich eine stärkere Linie feindlicher Inf. vor uns u. wir wurden auf einmal durch diese Inf. u. zugleich aus Ka­nonen u. einer Haubitze auf eine böse und häßliche Art begrüßt. Nun antwor­tete unsere Artillerie u. so standen wir denn wieder wie am 5. über eine Stunde lang im Kanonenfeuer. Besonders hatte sich die Bestie auf einen Zug gesetzt, der den rechten Flügel hatte u. zunächst an der Inf. u. Artillerie stand. Unsere Infanterie that zwar ihr möglichstes, doch wollten die Franzosen sich nicht recht rühren. Endlich ging die Inf. von uns in der Flanke gedeckt mit Sturm draus los, mußte sich aber zurückziehen. Die Franzosen hatten ihre Batterie im Kirch­hofe dicht am Galgenthore aufgefahren, der mit einer Lehm-Mauer umgeben war, hierdurch konnte unsre Inf. nicht viel würken. Die Infanterie erneuerte ihren Sturm u. wir mußten in einer Linie mit ihr links schwenken, als ob wir die Franzosen umgehen wollten. Als es nun hieß Trab, Trab, Trab, Gewehr auf, bekamen wir u. die Inf. ein mörderisches Kanonen- und Musketenfeuer. Es war als ob einem Bremsen, Fliegen, Bienen von allen Seiten schwarmweise um die Köpfe flogen. Eine Paßkugel ging zwischen mir und dem Flügelunter­offizier so dicht durch, daß unsere Pferde 5 Schritt weit auseinander sprangen. Als weder wir noch die Infanterie hierdurch stutzig gemacht oder gar zum Wei­chen gebracht wurde, machten die Hunde kehrt, und nun gings mit Hurrah drauf. Die Artillerie fuhr zuerst im Galopp nach dem Thore, als wir die Schanze umgingen, u. die Inf. zog sich durch einen engen Gang zwischen den Häusern und dem Kirchhofe zurück. Hier entstand ein ganz gräßliches Feuer, in dem unsre Inf. mit der ungeheuersten Bravour draufging, um auf diesem weit näheren Wege die Hunde abzuschneiden u. wir in der Flanke herumgingen. Zum Glück passirten wir gerade im Augenblick des stärksten Feuers ein Grab. Mein