Heft 
(1915) 3
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wuchs, alles in allem eine Vereinigung von Eigenschaften, die eine Erscheinung von vollendeter Schönheit ergab.

Trotz stärksten, Jahrtausende langen Verbrauchs dieses edelsten Menschen­materials in der aufreibenden Stellung als staatsleitende und staats verteidigende Klasse und trotz ebenso starker, schließlich unvermeidlicher Vermischung mit der unterjochten anders gearteten Fremdrasse erscheinen zu Beginn der geschichtlichen Ueberlieferung der Südvölker die Reste jener Oberschicht noch deutlich genug, um unwiderleglich zu bezeugen, welcher Herkunft die eigentlichen Kulturträger oder vielmehr Kulturerzeuger Südeuropas waren.

Als zweites Glied in der Kette der Schlußfolgerungen fügen sich die Nach­weise, die von der vorgeschichtlichen Anthropologie aus Zeiten gegeben werden, die weit hinter jeder schriftlichen Ueberlieferung liegen, wo wir also nichts mehr erfahren über Haut-, Haar- und Augenfarbe der Stämme. Den nordischen Typus zeichnet aber außer diesen Farbeneigenheiten und dem hohen Wuchs auch noch eine besondere Gestaltung, namentlich eine bedeutende Länge des Schädels aus (sie wird von vorn nach hinten gemessen). Die nordische Schädelbildung weicht erheblich ab von der Schädelbildung der dunkelfarbigen, kleinen, aber auch lang- schädeligen Rasse Südeuropas, und noch mehr von der ebenfalls etwas dunkler gefärbten mittelgroßen, aber rundköpfigen alpinen Bevölkerung der europäischen Hochgebirge und Osteuropas. Da hat es sich nun herausgeftellt, daß in der vorher von mir genannten Epoche, am Ende der jüngeren Steinzeit (in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends), die Gräber fast ganz Europas nur solche Skelette bergen, die den geschilderten nordischen Typus aufweisen.

Es ist aber die Eigenart vorgeschichtlicher Einzelgräber wie ganzer Gräber­felder, daß wir aus ihnen nur die staatlich herrschende Bevölkerung kennen lernen können. Denn nur diese ist vermöge ihrer Macht und ihres Reichtums in der Lage, ihre verstorbenen Angehörigen in würdigen Grabstätten zu bergen, d. h. in solchen, die mit reichen, für den Gebrauch im Jenseits bestimmten Beigaben ausgestattet wurden, während die wohl stets und auch in unserem Falle weit zahlreichere unterworfene, andersrassige Masse, so lange sie sich aus ihrer Hörigen­stellung nicht emporzuarbeiten vermochte, nach Kultur und Rasse gleichmäßig unseren Blicken entschwindet.

(Fortsetzung folgt.)

Was erzählt uns der Boden unseres nord- deutschen Valerlandes?

W. Jaene.

Was nützet es uns, wenn wir die ganze Welt bereisen, und wissen doch nicht, was vor unserer Türe liegt", sagte einmal ein großer Geologe des ver­gangenen Jahrhunders. Das Wort besteht zu Recht. Was nützet uns, wenn wir noch soviel in fremden Ländern gesehen haben und kennen doch unsere engere Heimat nicht. Jeder, der in die Ferne zieht, um sich andere Länder anzusehen, sollte sich erst bemühen, seinen heimatlichen Boden kennen zu lernen. Erst dann wird er mit offnen Augen sehen, was sich ihm draußen Neues bietet, und er wird erkennen, was er an seiner Heimat hat. Was erzählt uns der Boden unseres norddeutschen Vaterlandes? Bei dieser Frage wird mancher den Kopf schütteln. Was soll der uns wohl erzählen? Was sollen diese Sandhügel und Lehmkuppen, was sollen uns diese Sümpfe und Tümpel erzählen? Ja, wenn wir im Gebirge wohnten oder da, wo ragende Felsen dem Meere entsteigen,