Heft 
(1892) 71
Seite
6
Einzelbild herunterladen

6

Deutsche Rundschau.

Also doch Liebesgeschichten. Nun sage wer?"

Leopold."

Alle Wetter. . Und man konnte nicht heraushören, ob Treibel bei dieser Namensnennung mehr in Schreck oder Freude gerathen war.Leopold? Ist es möglich?"

Es ist mehr als möglich, es ist gewiß; denn vor einer Viertelstunde war er selber hier, um mich diese Liebesgeschichte wissen zu lassen . . ."

Merkwürdiger Junge . .

Er hat sich mit Corinna verlobt."

Es war ganz unverkennbar, daß die Commerzienräthin eine große Wirkung von dieser Mittheilung erwartete, welche Wirkung aber durchaus ansblieb. Treibel's erstes Gefühl war das einer heiter angeflogenen Enttäuschung. Er hatte 'was von kleiner Soubrette, vielleicht auch vonJungfrau ans dem Volk"' erwartet und stand nun vor einer Ankündigung, die, nach seinen unbefangeneren Anschauungen, alles Andere als Schreck und Entsetzen Hervorrufen konnte. Corinna," sagte er.Und schlankweg verlobt und ohne Mama zu fragen. Teuselsjunge. Man unterschätzt doch immer die Menschen und am meisten seine eigenen Kinder."

Treibel, Was soll das? Dies ist keine Stunde, Wo sich's für Dich schickt, in einer noch nach Buggenhagen schmeckenden Stimmung ernste Fragen zu be­handeln. Du kommst nach Hans und findest mich in einer großen Erregung, und im Augenblicke, wo ich Dir den Grund dieser Erregung mittheile, findest Du's an­gemessen, allerlei sonderbare Scherze zu machen. Du mußt doch fühlen, daß das einer Lächerlichmachung meiner Person und meiner Gefühle ziemlich gleich kommt, und wenn ich Deine ganze Haltung recht verstehe, so bist Du weit ab davon, in dieser sogenannten Verlobung einen Skandal zu sehen. Und darüber möchte ich. Gewißheit haben, eh' wir weiter sprechen. Ist es ein Skandal oder nicht?"

Nein."

Und Du wirst Leopold nicht darüber zur Rede stellen?"

Nein."

Und bist nicht empört über diese Person?"

Nicht im Geringsten."

Ueber diese Person, die Deiner und meiner Freundlichkeit sich absolut nn- werth macht, und nun ihre Bettlade denn um viel 'was Anderes wird es sich nicht handeln in das Treib el'sche Haus tragen will."

Treibel lachte.Sieh', Jenny, diese Redewendung ist Dir gelungen, und Wenn ich mir mit meiner Phantasie, die mein Unglück ist, die hübsche Corinna vorstelle, wie sie so zu sagen zwischen die Längsbretter eingeschirrt, ihre Bettlade hierher ins Treibel'sche Haus trägt, so könnte ich eine Viertelstunde lang lachen. Aber ich will doch lieber nicht lachen und Dir, da Du so sehr fürs Ernste bist, nun auch ein ernsthaftes Wort sagen. Alles, was Du da so hinschmetterst, ist erstens unsinnig und zweitens empörend. Und was es außerdem noch Alles ist, blind, vergeßlich, überheblich, davon will ich gar nicht reden . . ."

Jenny war ganz blaß geworden und zitterte, weil sie Wohl Wußte, worauf dasblind und vergeßlich" abzielte. Treibel aber, der ein guter und auch ganA