Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

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mich unendlich glücklich und löscht alle Bitterkeit aus meiner Seele. Manch' einer

würde mir in diesem Gefühl nicht folgen können, aber ich habe da, wo mein

Herz spricht, nicht das Bedürfnitz, zu einem Engel zu sprechen, im Gegentheil, mich

bedrücken Vollkommenheiten, vielleicht weil ich nicht an sie glaube; Mängel, die

ich menschlich begreife, sind mir sympathisch, auch dann noch, wenn ich unter ihnen

leide. Was Du mir damals sagtest, als ich Dich an dem Mr. Nelson-Abend ^

von Treibel's nach Hause begleitete, das weitz ich freilich noch Alles, aber es

lebt nur in meinem Ohr, nicht in meinem Herzen. In meinem Herzen steht

nur das Eine, das immer darin stand, von Anfang an, von Jugend auf.

Ich hoffe Dich heute noch zu sehen. Wie immer Dein Maxell."

Corinna reichte den Brief ihrem Vater. Der las nun auch und blies dabei doppelte Dampswolken; als er aber fertig war, stand er auf und gab seinem Liebling einen Kutz auf die Stirn:Du bist ein Glückskind. Sieh', das ist das, was man das Höhere nennt, das wirklich Ideale, nicht das von meiner Freundin Jenny. Glaube mir, das klassische, was sie jetzt verspotten, das ist das, Was die Seele frei macht, das Kleinliche nicht kennt und das Christliche vorahnt und vergeben und vergessen lehrt, weil wir Alle des Ruhmes mangeln.

Ja, Corinna, das klassische, das hat Sprüche wie Bibelsprüche. Mitunter beinah' noch etwas d'rüber. Da haben wir zum Beispiel den Spruch: Werde, der Du bist', ein Wort, das nur ein Grieche sprechen konnte. Freilich, dieser Werdeprocetz, der hier gefordert wird, mutz sich verlohnen, aber wenn mich meine väterliche Befangenheit nicht täuscht, bei Dir verlohnt es sich. Diese Treibelei war ein Jrrthum, ein ,Schritt vom Wege', wie jetzt, wie Du wissen Z

wirst, auch ein Lustspiel heitzt, noch dazu von einem Kammergerichtsrath. Das Kammergericht, Gott sei Dank, war immer literarisch. Das Literarische macht frei . . . Jetzt Haft Du das Richtige wiedergefunden und Dich selbst dazu . . .

Werde, der Du bist', sagt der große Pindar, und deshalb mutz auch Marcell, um der zu werden, der er ist, in die Welt hinaus, an die großen Stätten, und besonders an die ganz alten. Die ganz alten, das ist immer wie das heilige Grab; dahin gehen die Kreuzzüge der Wissenschaft, und seid Ihr erst von Mykenä wieder zurück ich sage ,Jhr', denn Du wirst ihn begleiten, die Schlie- mann ist auch immer dabei so müßte keine Gerechtigkeit sein, wenn Ihr nicht übers Jahr Privatdocent wär't oder Extraordinarius."

Corinna dankte ihm, daß er sie gleich mit ernenne, vorläufig indeß sei sie mehr für Haus und Kinderstube. Dann verabschiedete sie sich und ging in die Küche, setzte sich auf einen Schemel und ließ die Schmolle den Brief lesen.Nun, was sagen Sie, liebe Schmolle?"

Ja, Corinna, was soll ich sagen? Ich sage bloß, was Schmolke immer sagte: Manchen gibt es der liebe Gott im Schlaf. Du hast ganz unver­antwortlich un beinahe schauderöse gehandelt un kriegst ihn nu doch. Du bist ein Glückskind." *

Das hat mir Papa auch gesagt."

Na, denn muß es wahr sein, Corinna. Denn was ein Professor sagt, is immer wahr. Aber nu keine Flausen mehr und keine Witzchen, davon haben wir nu genug gehabt mit dem armen Leopold, der mir doch eigentlich leid thun

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