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Deutsche Rundschau.
Mächtigen zu gewinnen, daneben auch Vortheile für sein Haus zu erlangen^ Die Darstellung dieser immer nur auf das eine Ziel gerichteten Thätigkeit konnte kein vollständiges Bild von dem Wesen und Charakter Friedrich Ludwig's geben. Sie mag sogar beim Leser hie und da den Eindruck hinterlassen haben, als hätten an dem eifrigen Streben nach Rangerhöhung und Gebietszuwachs auch persönlicher Ehrgeiz und Gewinnsucht wesentlichen Antheil gehabt. Eine solche Annahme wäre durchaus irrig. Friedrich Ludwig's selbstloser, uneigennütziger Charakter, sein edler, rechtlicher Sinn spricht sich in vielen seiner hinterlassenen Briese aus, die hier anzuführen aber nicht am Platze wäre. Der vorliegende Aufsatz sollte kein Charakterbild darbieten, sondern nur neue Einzelheiten einer denkwürdigen Episode bringen. Ehe wir aber von dem Erbprinzen Abschied nehmen, lassen wir ihm noch einmal das Wort in einer Entscheidung, die historisch merkwürdig und für seine Denkart überaus bezeichnend ist. Am
18. Mai 1810 starb der zum Erben des schwedischen Thrones bestimmte, von Karl XIII. adoptirte Prinz Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Als es sich darum handelte, einen neuen Thronfolger zu wählen, lenkte der Fürst Malte Putbus, damals der angesehenste und begütertste Grundbesitzer in Schwedisch-Pommern, die Aufmerksamkeit aus den Erbprinzen Friedrich Ludwig, mit dem er seit einem Besuch in Doberan in freundschaftlichen Beziehungen stand. Wir erfahren dies aus einer Biographie jenes Fürsten Putbus, erschienen in einer Festschrift, die aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums des Putbuser Pädagogiums im October 1886 von dem Director Leopold Spreer veröffentlicht Wurde. Darnach bot der Fürst, offenbar in Folge eines Auftrags, von Stockholm aus, dem Erbprinzen die schwedische Thronfolge an und schrieb dieserhalb nach Weimar, wo Friedrich Ludwig sich nach seiner kurz zuvor erfolgten, zweiten Vermählung befand. Die Antwort, welche er von dort am 5. Juli ertheilte, war ablehnend, aber nicht ganz bestimmt. Entschiedener sprach er sich am
19. Juli in einem Briese aus, dessen schöne Worte den Schluß dieser Darstellung bilden mögen:
„Nach reiflicher Ueberlegung finde ich, lieber Fürst, daß ich das mir gesteckte Ziel nicht erreichen kann, wenn ich ein gewisses Anerbieten nicht entschieden ablehne. Ich begreife, daß es nicht möglich fein wird, auf den zurückzukommen, der das gute Recht hat (Gustav IV. Adolf); ich sehe, daß in Anbetracht der Verhältnisse dies auch nicht einmal zu wünschen ist; aber er hat einen Sohn (Prinz Wasa). Ich gestehe Ihnen, daß ich einen Augenblick daran gedacht habe, daß man mir erlauben könnte, die Rolle eines Vormundes für ihn zu übernehmen, aber ich sehe, dies wird unmöglich. Sein Erbe für mich und meinen Sohn anzunehmen, ist so sehr gegen meine Sinnesweise, daß nichts in der Welt mich zu diesem Schritte veranlassen würde, so lange jenes Kind lebt. Obgleich ich selbst nur ein kleiner Fürst bin, so scheint es mir doch, als dürfe ein Mann unseres Standes aus Grundsatz niemals diese Absetzbarkeit anerkennen. Ich könnte heute von derselben Vortheil haben, aber mein Sohn müßte vielleicht einst dafür die Strafe erleiden, wenn er sich ebenso behandelt sähe. Ich wünsche, daß alles, was ich ihm nach meinem Tode hinterlasfe, legitim sei. So verzichte ich von Herzen aus die mir eröffnete Aussicht!"-