Ein Thronerbe als Diplomat.
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Die Hand einer Großfürstin hervorzutreten. Das Zusammensein der beiden Monarchen nahm einen so vertraulichen Charakter an, daß es der Umgebung auffiel, Gerüchte von einer Familienverbindung bereits die Luft durchschwirrten und es den deutschen Fürsten immer klarer zum Bewußtsein kam, wie sie nur geladen waren, um als glänzende Staffage zu dienen. Von dieser Empfindung wenigstens wurde Friedrich Ludwig beherrscht. Es war ihm lieb, daß seinem Vater die beschämende Rolle erspart blieb, die den regierenden, sogenannten „souveränen" Herren in Erfurt zugemuthet wurde. Er selbst als jüngeres Mitglied des alten Hauses, das seinen Stammbaum zu den wendischen Fürsten der vorchristlichen Zeit zurückführte, fand sich leichter damit ab, wenn er seine Verstimmung auch nicht ganz zu unterdrücken vermochte. Seine Briese wurden kürzer; in der letzten Woche blieben sie ganz aus. Entweder hatte er nichts zu schreiben, oder er mochte das, was er sah und hörte, dem Papier nicht anvertrauen. Auch in späteren Jahren sprach er nur ungern von den Erfurter Erlebnissen.
Am 23. October traf er wieder in Ludwigslust ein. In der Rang- und Entschädigungssrage war man um keinen Schritt weiter gerückt. Auch die nächsten Jahre, weit entfernt, die Lage des Herzogs zu verbessern, brachten nur neues Ungemach über das Land. Schill's verwegener Streifzug, der ihn über Dömitz, Wismar und Rostock nach Stralsund führte, weckte den Argwohn des Imperators. Dänische und holländische Truppen rückten in Mecklenburg ein. Wieder begann die Zeit der Kriegsdrangsale aller Art, der Plünderungen und Erpressungen. Aber die Jahre der napoleonischen Willkürherrschaft waren gezählt. Zweimal zog Friedrich Ludwig an der Spitze seiner mecklenburgischen Truppen siegreich in Frankreich ein, und der Wiener Congreß brachte dem herzoglichen Hause die Rangerhöhung, aus welche es sowohl nach der Ausdehnung seines Gebiets als in Anerkennung der geleisteten Opfer längst gerechten Anspruch hatte.
Eine Gebietsvergrößerung hat Mecklenburg auch in jener zweiten Phase deutscher Territorialveränderungen nicht erhalten. Der Herzog hatte zwar sowohl bei der Accession zur großen Alliance, als auch auf dem Wiener Congreß seine Entschädigungsansprüche geltend gemacht, allein die politische Konstellation war der allein möglichen Grenzerweiterung nach Schwedisch-Pommern oder Lauenburg hin nicht günstig, lieber beide Gebiete hatte der Rath der Großmächte bereits anderweitig verfügt. Alles was Mecklenburg-Schwerin erhielt, war ein Antheil an der französischen Kriegscontribution im Betrage von 2150 000 Franken. Man wird einräumen müssen, daß dies eine sehr unzureichende Abfindung war im Verhältniß zu der Abtretung Wismars, zu den vierzig Millionen Franken, welche das französische Interregnum bis zum Sommer 1807 nachweislich dem Lande gekostet und zu den weiteren materiellen und finanziellen Opfern, welche die Durchmärsche der nächstfolgenden Jahre, der russische Feldzug und die Befreiungskämpfe dem Herzog und seinen verarmten Unterthanen ausgebürdet hatten.
Wir haben den Erbprinzen während der bewegtesten Jahre seines ereigniß- reichen Lebens begleitet. Wir sahen ihn bemüht, den Druck der Kriegslasten, der auf seinem Lande ruhte, zu mindern und zu diesem Zweck die Gunst der
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