Zur neuesten Wallenstein-Literatur.
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sich der schwedische Kanzler Oxenstierna des Directoriums der evangelischen Stände, und widerwillig mußte auch Sachsen dem schwedischen Einflüsse solgen. Da sich Schweden zugleich mit Frankreich auss Engste zu gemeinsamem Auftreten gegen das Haus Oesterreich verband, so hätte Wallenstein, wenn die Feinde einig blieben, die Streitkräfte halb Europas überwinden müssen, um den Krieg im Sinne der Hofburg zu Ende zu führen und sich selbst den Lohn zu sichern, den ihm — wir werden darauf zurückkommen — der Kaiser versprochen hatte.
Nichts lag daher näher, als daß Wallenstein immer von Neuem versuchte, Mißtrauen unter den Verbündeten zu erwecken und sie dadurch von einander zu trennen. Aber die geheimen Verhandlungen, die er bald mit Sachsen, bald mit den Führern des schwedisch-deutschen Heeres in Schlesien anknüpfte oder durch seine Vertrauten anknüpfen ließ, gingen in ihrer Tendenz weit über das hinaus, was man als Kriegslist erklären und mit der Loyalität gegen den Kaiser vereinigen konnte. Wie oft hat er versichert, daß er, sobald die ihm gegenüberstehenden Truppen mit den seinigen sich vereinigt haben würden, einen für die Protestanten annehmbaren Frieden auch gegen den Willen des Kaisers, über den und dessen Umgebung er sich auf das Geringschätzigste zu äußern liebte, durchsetzen werde. Daß die Vereinigung der Truppen nicht zu Stande kam, lag, so weit man zu erkennen vermag, weniger daran, daß der Herzog von Friedland mehr als einmal von den anscheinend dem Abschluß nahen Verhandlungen zurücktrat, weil sie von ihm nicht ernst gemeint waren, als vielmehr an dem mangelhaften Entgegenkommen der mißtrauisch gewordenen Gegner und an der wechselnden Gestaltung aller jener Factoren, mit denen die Politik Wallenstein's zu rechnen hatte. Am wenigsten wird man es ihm als Beweis seiner Treue anrechnen dürfen, wenn er sich ans den von böhmischen Emigranten eifrig und hartnäckig verfolgten Plan, ihn zum Bruch mit dem Kaiser dadurch zu verleiten, daß er sich mit Hülfe Schwedens zum Könige von Böhmen aufwerfe, nicht ernstlich einließ. Denn die daran geknüpfte Vorbedingung, die Rechts- und Besitzverhältnisse vom Jahre 1618 wieder herzustellen, konnte für den Herzog von Friedland, der gerade durch deren Umsturz groß geworden war, ebenso wenig Verlockendes haben, als die Abhängigkeit, in die er durch einen vorzeitigen Bruch mit dem Kaiser von den Schweden gerathen wäre. Das Bedenkliche der Verhandlungen mit dem Feinde wird endlich auch durch den Umstand nicht beseitigt, daß die böhmischen Vertrauten Wallenstein's in ihren Eröffnungen und Anerbietungen nachweisbar nicht selten weiter gingen, als sie durch unzweideutige Aufträge zu gehen ermächtigt waren. Denn auch da, wo Wallenstein sich vorsichtig im Hintergründe hielt, konnten Männer wie Kinski, der von Dresden aus mit der Familie Terzka (Trcka) im Geheimen die regste Korrespondenz unterhielt, sich auf Mittheilungen berufen, die auf den Herzog selbst zurückgingen. Wie lehrreich in dieser Beziehung Jrmecks Aktensammlung ist, mag an einem Beispiel erläutert werden.
Zu der Zeit — im Mai des Jahres 1632 — als der böhmische Emigrant Bubna in einer denkwürdigen nächtlichen Unterredung zu Gitschin Wallenstein um den Preis der böhmischen Königskrone zum sofortigen Abfall vom Kaiser zu verleiten suchte, unterhandelte Kinski wiederholt über dieselbe Angelegenheit