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Deutsche Rundschau.
mit dem schwedischen Agenten Nikolai in Dresden. Daß Kinski auch der Ungenannte ist, der nach dem Tagebuch Nikolai's vom 14. und seinem Briefe an Oxenstierna vom 17. Mai ein bedeutsames Gespräch mit dem schwedischen Diplomaten hatte, sei hier nur beiläufig bemerkt; Jrmer zwar bestreitet die Tbatsache, anscheinend aus guten Gründen, aber Herr Hilscher, einer meiner ehemaligen Schüler, wird an einem anderen Orte den Gegenbeweis führen und zugleich Nachweisen, daß in diesem Falle Nikolai selbst an den schwedischen Staatskanzler unwahr und noch unwahrer an andere schwedische Staatsmänner berichtet hat. In Unterredungen vom 1. bis 4. Juni verspricht Kinski auf die Frage, ob Wallenstein mit seiner Armee still liegen oder vorwärts marschieren würde, baldigst die Resolution des Generals zu verschaffen, und auf die weitere Frage, ob der kaiserliche General seiner Osficiere für den Abfall vom Kaiser vollkommen Herr sei, antwortet er nicht allein bejahend, sondern er bemerkt auch, daß zwar einige italienische und spanische Obersten dem Generalissimus verdächtig seien, aber keinen Widerstand wagen würden; ja, der Graf übergab sogar dem schwedischen Residenten ein namentliches Verzeichniß aller derjenigen kaiserlichen Osficiere, die dem General als vollkommen zuverlässig galten. Liegt nicht darin allein schon ein Beweis dafür, daß Wallenstein, von dem doch jene Mittheilungen herrühren müssen, allen Ernstes den Abfall vom Kaiser erwogen hat?
Weiter noch, als im Mai 1633 mit den böhmischen Emigranten und den Schweden, ließ sich Wallenstein in den folgenden Wochen auf Verhandlungen mit Kursachsen und Brandenburg unter eifriger Theilnahme Arnim's ein. Hatte er kurz zuvor verlauten lassen, daß Sachsen mit Bayern in erster Linie die Kosten des in Aussicht genommenen Friedens tragen sollte, so ging er jetzt vielmehr darauf aus, zunächst beide evangelischen Kurfürsten für den Plan zu gewinnen, ihre in Schlesien stehenden Truppen mit der kaiserlichen Armee unter seiner Führung zu vereinigen. Bei dem Abschluß des Waffenstillstandes kam es zu Strehlen zwischen Wallenstein und Arnim zur Verabredung von Friedenspropositionen, wonach der Zweck der Truppenvereinigung der sein sollte, ohne „Respect eigener Person" gegen Jeden, der sich unterfangen würde, „den statum imxerli noch weiter zu turbiren und die Freiheit der Religion zu hemmen. Alles im Reich wieder in den Stand zu bringen, wie es vor dem unglückseligen Kriege Anno 1618 gewesen". Waren gleich unter den Störern des Friedens im deutschen Reich in erster Linie die Franzosen und die mit ihnen eng verbündete deutsche Liga, vielleicht auch die Spanier gemeint, so richtete sich doch die Spitze der Verhandlungen auch gegen den Wiener Hof. Dieser war, und Wallenstein wußte das am besten, weit davon entfernt, als Normaljahr für die Regelung der politischen und religiösen Verhältnisse in Deutschland das Jahr 1618 anzunehmen und damit Alles das aufzugeben, was, wie Jrmer treffend sagt, kirchliche und politische Reaction in den fünfzehn Jahren des Krieges bisher erreicht hatte.
Nachdem auch die letzten Verhandlungen bei der ablehnenden Haltung Kursachsens resultatlos geendet hatten, kam es im März 1633 zum Abschluß des zweiten schlesischen Waffenstillstandes. Jetzt trat Wallenstein in den Eröffnungen gegenüber Arnim noch weiter als bisher mit seinen gegen das Haus Oesterreich