Zur neuesten Wallensteiu-Literatur.
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gerichteten Plänen heraus. Unter Berufung auf die von feinen Gegnern in Wien genährten Bestrebungen, ihn wieder wie im Jahre 1630 vom Ober- commando zu entfernen, erklärte er, falls er bei Schweden und seinen deutschen Verbündeten Unterstützung finde, mit dem Kaiser brechen, seine Armee nach Böhmen zurückführen und Oesterreich angreifen zu wollen. Dabei gab er zwar zu, daß er seines Heeres nicht vollkommen sicher sei, aber er sah darin, wenn die Vereinigung mit den schwedisch-deutschen Truppen zu Stande käme, kein Hinderniß; auch den Gang der kriegerischen Action, wie er ihn sich dachte, entwickelte er Arnim gegenüber. Daß Wallenstein den Kaiser nach Spanien zu jagen gedachte, wie der sanguinische Graf Thurn wissen wollte, läßt sich freilich nicht behaupten; aber wenn er auch Ferdinand II. für den Fall, daß er sich den ihm gestellten Forderungen unterwerfe, in seiner Stellung belassen wollte: seine Konspiration gegen den Kaiser bleibt doch bestehen. Es ist auch sehr bezeichnend, daß ferner wie näher Stehende, die noch Zweifel in die Aufrichtigkeit der Anerbietungen Wallenstein's oder in die Ausführbarkeit seiner Pläne setzten, ihn nicht etwa der Felonie gegen den Kaiser für nicht fähig hielten; man traute vielmehr seiner Ehrsucht und Machtbegier, seinem schrankenlosen Egoismus Alles zu.
Bekanntlich hat Wallenstein, nachdem schon die Vorbereitungen für die Vereinigung der evangelischen Truppen in Schlesien mit den seinigen getroffen waren, noch einmal alle Erwartungen getäuscht, indem er plötzlich von Sachsen und Brandenburgern verlangte, daß sie mit ihm ihre Waffen gegen Schweden statt gegen den Kaiser und die katholische Partei kehrten. So kam es nicht zu dem Verrath, mit dem der große Verschwörer so oft gespielt, und dem Kaiser gegenüber konnte er die mit dem Feinde geführten Verhandlungen als völlig unverfänglich hinstellen; aber die Strafe für so viel Untreue sollte nicht ausbleiben. Als zwei Monate später der Bruch zwischen dem Kaiser und seinem Generalissimus unvermeidlich wurde, war das Mißtrauen auf Seiten der Evangelischen so groß, daß sie an den Ernst seiner Hülferufe erst glaubten, als Wallenstein schon verloren war.
Das größte Interesse dürfte der dritte Band der Jrmer'schen Publication erregen, der die Ereignisse vom October des Jahres 1633 bis zu der Katastrophe von Eger (24. Februar 1634) begleitet. Zwar sind es auch hier nicht überraschende Enthüllungen, die uns geboten werden, Wohl aber eine Fülle von Mittheilungen, die unsere Kenntniß der Vorgänge im Einzelnen vervollständigen. So lassen die Briefe von Gallas, Piccolomini und Aldringen, die freilich dem Herausgeber nur in äußerst mangelhaften, an manchen Stellen geradezu unverständlichen Abschriften Vorlagen, etwas Licht auf die geheimnißvolle Thätigkeit der Männer fallen, deren sich der Wiener Hof bediente, um den Feldherrn durch eine Gegenverschwörung in der Armee zu Falle zu bringen. Die aus dem Briefwechsel des Kurfürsten Maximilian und seines Vicekanzlers Richel abgedruckten Actenstücke, die zumeist schon Aretin in seiner Schrift über Wallenstein (1845) benutzt hatte, beleuchten die wichtige Rolle, die Bayern bei dem Sturze Wallenstein's gespielt hat. Bemerkenswerth sind auch die Untersuchungsacten, die Jrmer in Auswahl zum Abdruck bringt. So die Aussagen des Wallenstein'schen