Heft 
(1892) 71
Seite
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Deutsche Rundschau.

Kanzlers von Elz, des Herzogs Albrecht von Sachsen-Lauenburg, des Mohr vom Waldt, der Freiherren von Schaffgotsch und Scherffenberg, des Obersten von Schliesf und Sezyma RaZins bis hinab zu den Bedienten des alten Grasen Trcka. Was wir daraus Neues erfahren ein großer Theil auch dieses Acten- materials war schon von Anderen benutzt ist allerdings nicht sehr viel und bedarf außerdem, wie der Herausgeber zeigt, scharfer Kritik. Theils wußten die Verhörten wenig oder nichts von den Dingen, die man von ihnen zu erfahren begehrte, theils hüteten sie sich, die volle Wahrheit zu sagen, weil ihr Kops auf dem Spiele stand. So könnten denn diesen Untersuchungsacten ebenso Wohl von den Vertheidigern Wallenstein's als von seinen Anklägern einzelne Argumente entnommen werden. Von besonderem Interesse erscheinen unter Anderem die Aussagen des Hauptmanns auf Dimokur Klusack gegen den Trcka, dessen Mutter und Andere sich wiederholt über Wallenstein's Pläne und ihre eigenen Hoffnungen geäußert haben.

So viel aber auch nach Allem, was wir über Wallenstein's Ausgang bis jetzt wissen, noch daran fehlt, daß wir die Krisis, die mit dem Ende des Jahres 1633 eintrat, mit allen sie bedingenden Momenten im Einzelnen klar zu er­kennen vermöchten, so besteht doch über die entscheidenden Thatsachen kein Zweifel mehr.

Am 11. October 1633 hatte Wallen stein nach dem Abbruch der früher er­wähnten Verhandlungen sich plötzlich bei Steinau an der Oder aus die Schweden geworfen und einen glänzenden Sieg erfochten. In wenigen Tagen waren ganz Schlesien und die angrenzenden Landstriche der Lausitz, sowie der Mark Branden­burg in seinen Händen. Die Siegeskunde verscheuchte in Wien noch einmal die Sorgen und Zweifel, die des Herzogs Unthätigkeit im Felde mehr und mehr wachgerufen hatte; aber statt nach der Vertreibung der Schweden die Sachsen und Brandenburger mit Gewalt zu einem Frieden zu zwingen, wie er in Wien und München genehm gewesen wäre, trat Wallenstein, ohne seine Uebermacht zu gebrauchen, mit den beiden Kurfürsten wieder in Verhandlungen ein, über die er dem Kaiser die Wahrheit zu berichten mit Recht vermied. Denn er erbot sich den evangelischen Kurfürsten gegenüber von Neuem, wenn sie ihre Truppen zu den seinigen stoßen ließen, mit vereinten Kräften einen Religions- und Prosan- srieden in Deutschland herzustellen wie er zur Zeit der Kaiser Rudolf und Matthias bestanden, ehedas Unwesen" der jetzigen kaiserlichen Regierung aus­gekommen. Bedeutete das zunächst kriegerisches Vorgehen gegen die Schweden und Franzosen, so schloß es doch auch das Versprechen ein, dem Kaiser und seinen katholischen Verbündeten einen für die Protestanten annehmbaren Frieden aufzu­erlegen. Die Kurfürsten lehnten auch dieses Mal ab, um nicht mit Schweden zu brechen. Wallenstein aber sah sich plötzlich genöthigt, den schwedischen Kriegs­schauplatz zu verlassen und nach der Donau zu eilen. Der schwedische General Bernhard von Weimar bedrohte Regensburg. Allzulange hatte Wallenstein den Hülferusen des Kurfürsten von Bayern die Versicherung entgegengestellt, daß es der Herzog von Weimar nicht auf die feste Donaustadt abgesehen haben könne. Als er endlich, einem ausdrücklichen Befehle des Kaisers folgend, in raschem Zuge der böhmisch-bayerischen Grenze sich näherte, siel Regensburg dem Feinde