Heft 
(1878) 34
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hin einen hohen Steuerbetrag baar vorlegen, und sie würden dazu so gut wie niemals im Stande sein.

So bleibt nur noch das Tabaksmonopol zu betrachten übrig, das gegenwärtig' in Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Italien, Spanien, Portugal und Rumänien besteht, sür eine Bevölkerungsmasse, die etwa 40 Prozent der europäischen Be­wohnerzahl beträgt. Am rationellsten ist es in Frankreich und dann in Oesterreich-Ungarn entwickelt; ähnlich wie das eng­lische Zollsystem, wurde es in diesen beiden Großstaaten schon eingesührt, als die Tabaksindustrie erst im Entstehen begriffen war. Im preußischen Staate hat es zeitweise unter dem großen Kurfürsten und Friedrich dem Großen bestanden. Das Tabaks­monopol oder die Tabaksregie ist ein Alleinrecht des Staats, ans Grund dessen Tabak, sei es sür den inneren Verbrauch, sei es für die Ausfuhr, von niemandem ohne die besondere jähr­liche Erlaubniß und ohne die strengste Kontrole des Staats gebaut, zum inländischen Verbrauch nur an den Staat ver­kauft, ausländische Tabake nur von dem Staate zum Verkauf eingeführt, Rohtabak im Jnlande nur vom Staate in seinen Tabaksfabriken verarbeitet, Fabrikate nur von ihm oder durch die von ihm ernannten und kontrolirten Verkäufer abgesetzt werden dürfen. Für den Staat hätte diese Form der Tabaks- stener den großen, unbestreitbaren und allseitig unbestrittenen Vorzug einer hohen Einnahme aus dem Tabak; 1876 warf die französische Regie 262 Millionen Francs Reinertrag ab. Weiter gestattet sie eine gewisse Rücksichtnahme auf die Steuer- fähigkeit der Konsumenten; ohne Mühe könnte der Staat die besseren Tabake mit einem höheren Prozentsätze der Steuer be­lasten wie die schlechteren. Daneben wäre dann freilich ein ausgedehnter Schmuggel mit allen seinen sittlichen Gefahren unvermeidlich; ein neues Beamtenheer von mehreren tausend Köpfen wäre zu schaffen, und einige hunderttausend Staats­bürger: Pflanzer, Arbeiter, Händler würden mit ihrem ganzen Dasein von der jeweiligen Regierung abhängig werden. Dem Raucher garantirt das Monopol die Echtheit der Waare; ob auch in gleichem Maße ihre Güte und Preiswürdigkeit, steht nach den französischen, italienischen, österreichischen Erfah­rungen nicht ebenso außer Zweifel. Jedenfalls vertheuert das Monopol den Tabak nicht im entsprechenden Verhältnisse zu dem hohen Ertrage; der jetzt im Preise der Waare zu ver­gütende, überaus beträchtliche Unternehmergewinn der Fabri­kanten und Händler wäre dann eben ein Theil der Steuer selbst. Ans eine besondere Abwechselung im Genüsse muß freilich der Raucher verzichten, da die Regie bei rationellem Betriebe immer nur wenige Sorten von Tabaken und Cigarren pro- duziren kann und wird. Der Tabakspflanzer könnte sich gut und gern mit dem Monopole befreunden. Die strenge Kon­trolle würde für ihn dadurch ausgewogen, daß er vom Staate in aller Weise gefördert werden und in ihm einen prompt zahlenden und sicheren Abnehmer finden würde; auch zahlt die Regie erfahrungsmäßig höhere Preise, als unter der Herrschaft der freien Konkurrenz gezahlt werden. Freilich ohne ein­schneidende Aenderungen in der heutigen Gestalt des deutschen Tabaksbaues ginge es auch nicht ab, um der nothwendigen Ueberwachung willen müßte die Kultur weit mehr in besonders geeigneten Distrikten konzentrirt werden, als augenblicklich der Fall ist. VerhLngnißvoller würde das Monopol ans die Ta­baksindustrie und den Tabakshandel wirken. Die private Fa­brikation hörte mit einem Schlage auf; die vorhandenen Be­stände an Rohtabak und Tabaksfabrikaten würde der Staat zwar baar einlösen, allein wie die Fabrikanten für ihre Uten­

silien, die entfallende Erwerbsmöglichkeit rc. entschädigt werden sollen, ist eine allerdornigste Frage. Zwar ein privatrechtlicher Anspruch auf Entschädigung besteht nicht, aber wohl eine drin­gende Forderung einfachster Billigkeit. Darüber herrscht Ueber- einstimmung unter allen kompetenten Urtheilern, Freunden wie Gegnern des Monopols, daß eine einmalige Abfindung von je 2400 Mark an die größeren Fabriken die äußerste Leistung ^

wäre, wenn nicht der ganze Erfolg des Monopols in Frage l

gestellt werden solle. Könnte dabei schon mehr nur von einem ! Almosen, als von einem wirklichen Ersätze die Rede sein, so ^ ginge die Unmasse der auf die Hausindustrie und den Kleinbetrieb > gegründeten Existenzen vollkommen leer ans; sie würden aus kleinen Besitzern zu Lohnarbeitern, und die schweren sozialen Gefahren träten ein, die oben bereits angedeutet sind. Die bisherigen Arbeiter in Tabak würden zum Theil ihre An­stellung in den Reichstabaksfabriken finden, zum Theil würden sie auch brotlos; es liegt wiederum im Wesen eines rationellen Regiebetriebes, daß er auf Ersparen von Arbeitskräften be­dacht sein, daß er Großproduktion sein muß, die sich in einer verhältnißmäßig winzigen Anzahl großer Fabriken konzentrirt; in ganz Frankreich bestehen ihrer nur 16. Was dann den Tabakshandel angeht, so könnte ein Theil der Kleinhändler als ! staatliche Regieverkäufer Anstellung finden gegen eine Tantiöme, die in Frankreich 10 Prozent des Absatzes beträgt und vom Publikum in dem natürlich staatlich festgestellten Preise der Waare vergütet wird. Ein anderer Theil der Detaillisten wäre auch aus seinem bisherigen Erwerbe geworfen, indessen daran wäre nur wenig verloren; der Kleinhandel mit Tabak und Cigarrren ist in Deutschland vielfach äußerst unerfreulicher Natur und erheischt keine besondere Schonung. Anders läge es mit dem Großhandel. Die Regie müßte und würde sich selbst versorgen an den Produktionsmärkten des ausländischen Tabaks, so weit sie seiner bedürfte; Hamburg würde schwer, Bremen tödtlich getroffen; der jähe Sturz dieser treuesten deut­schen Stadt von der gipfelnden Höhe ihrer Welthandelsstellung wäre wahrhaft tragischer Natur. So knüpfen sich an die Ein­führung des Monopols soziale Umwälzungen, deren Tragweite sich heute noch nicht einmal absehen, geschweige denn abschätzen läßt; sicher ist vorläufig nur, daß eine Ueberfülle des Hasses und der Unzufriedenheit gegen das Reich erregt werden würde. Parallel mit seinen glänzenden und unbestreitbaren Vorzügen gehen gewaltige und schwer zu überwindende Schwierigkeiten des Monopols; erklärte doch auch der Reichskanzler, daß er nicht sür das Monopol an sich schwärme, sondern nur für seinen hohen Ertrag, und daß ihm jede andere Tabaksstener mit an­nähernd gleichen Erfolgen ebenso lieb sei.

Im Gegensätze zu England, Frankreich und Oesterreich hat Deutschland den günstigen Moment der ersten Ausbreitung des Tabaks in Europa versäumt, um ihn als ergiebige Steuer­quelle zu packen. An diesem Grundfehler leiden wir heute; ohne ernstliche Verletzung schwer wiegender Interessen läßt sich heute keine namhafte Erhöhung der Tabaksstener durchsetzen. Daraus folgt nicht, daß sie an sich aufzugeben, aber wohl, daß sie mit äußerster Besonnenheit, Ruhe und Umsicht zu betreiben sei. Die Lösung des großen Räthsels befindet sich noch wesent­lich im Stadium der Gährung und Klärung; was sich daraus entwickeln wird, vermag heute niemand sicher vorherzusehen; darüber zu konjekturireu, ist an sich überflüssig und am wenigsten angezeigt an dieser Stelle. Hier galt es nur, den geneigten Leser zu orientiren über das innere Wesen der Tabaksfrage und die weittragenden Konsequenzen, welche sie in ihrem Schoße birgt.

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Wor dem Sturm.

Historischer Roman von Theodor Fontane.

Nachdruck verböte». Ges. v. ll.-VI. 7i>.

(Fortsetzung.)

Das Tablett mit Port und Sherry wurde eben herum­gereicht, als Bummcke, das Blatt noch einmal auseinander rollend, mit jener Ruhe, die einem das Gefühl, seinen Gegen­stand zu beherrschen gibt, anhob:Der arme Struensee! Ich habe die Stelle gesehen, draußen vor der Westerngade, wo sie

ihm den Kopf herunterschlugen. Was war es? Neid, Ran- cune und nationales Vorurtheil. Ein Justizmord ohue Gleichen. Er war so unschuldig wie die liebe Sonne."

Seine Intimitäten schienen aber doch erwiesen," bemerkte Jürgaß wichtig, dem nur daran lag, seinen Jnfanteriekapitän