Heft 
(1878) 34
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Ariedrich Wreller.

Fast genau an seinem Geburtstage, am 23. April, ist in Weimar Friedrich Preller gestorben, und mit ihm ist eine der eigenthümlichsten Erscheinungen am deutschen Kunsthimmel dahingegangen, der letzte jener Generation bedeutender Männer, die unter dem Einflüsse der Antike und im Zurückgreifen auf die großen Meister der Renaissance uns eine neue deutsche Kunst erst wieder geschaffen haben. Er war der letzte jener stolzen römisch-deutschen Tafelrunde, zu der Cornelius und Over­beck, Koch und Schnorr, Führich und Veit, Genelli und Rahl gehörten.

Preller war, wie wir seiner Biographie von Fr. Pecht entnehmen, ein Zuckerbäckerssohn aus Eisenach und in diesem thüringischen Städt­chen am 25. April 1804 geboren. Dort hat er die lateinische Schule besucht und sich in den Wäldern umhergetrieben; daß er Maler wurde, verdankt er Goethe, welcher das weimarische Landeskind im Jahre 1820 nach Dresden auf die Kunstschule schickte; Karl August förderte den jungen Menschen weiter und brachte ihn persönlich nach Antwerpen, wo er vor allem die Antike, den menschlichen Körper und die Technik der Oelmalerei stndirte; ein neues Stipendium des großmüthigen Herzogs setzte ihn in den Stand, 1828 zum ersten Male Italien zu besuchen, wo ihm an den herrlichen lombardischen Seen zunächst der Sinn für die stilvolle Größe südlicher Natur anfging. Am Golfe von

gessen, in Weimar seine Tage zwischen Malen und Jagen, während ihm die Sehnsucht nach den sonnigen Küsten des Salerner Golfs am Herzen nagte, und der Gram, daß er nicht anerkannt und verstanden wurde, seine Gesundheit untergrub.

In dieser trüben Zeit rieth ihm seine Frau, doch einmal die Odyssee, von der er immer sprach, zu illustriren. Der Vorschlag fiel auf günstigen Boden, und das Jahr 1858 wurde bei Preller der ent­scheidende Wendepunkt im Leben, also ein Zeitpunkt, in welchem andere meist schon abgeschlossen haben. Auf der Münchener Ausstellung, die in jenem Jahre stattfand, waren seine Cartons mit Odysseelandschasten, in welchen das unsterbliche Gedicht des griechischen Sängers eine so entsprechende Verkörperung findet, der Glanzpunkt. Preller, der vier- undfünfzigjährige, war nun mit einem Male ein berühmter Meister, der mit Bestellungen überhäuft wurde Seine bedeutendste Arbeit nach den Odysseelandschaften ward durch den Tod seines Freundes Genelli veranlaßt, dessen Künstlerleben er in einer friesartigen, überaus geist­reich erfundenen und großartig edel gezeichneten Komposition darstellte. Noch einmal nach Italien zurückkehrend, schuf er dort und in Weimar unermüdlich noch eine Menge schöner Kompositionen zur Bibel und zur Ilias, bis sich das Ermatten des Alters allmählich immer fühl-

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Friedrich Preller auf dem Todtenbette. Für das Daheim gezeichnet von B. Woltze.

Neapel, in Sorrent und Capri begriff er erst ganz die Schönheit und Wahrheit der Odyssee und bevölkerte in Gedanken beständig jene herr­lichen Gestade mit ihren Gestalten.Nicht jedes Stückchen Erde/' sagt ein früherer Biograph Prellers in unserer Zeitschrift (V, 791),an dem sich der den engen Gassen entronnene Städter erfreut, ist dein Künstler interessant. Ihm sind vor allein die Gegenden lehrreich, die Hügel, Ebene und Berg, Vorder-, Mittel- und Hintergrund in klarem Zu­sammenhänge erkennen lassen und ihn nöthigen, was er vor sich sieht, als ein Ganzes aufzufassen und wiederzugeben, indem jeder Theil durch den andern bedingt ist, keiner entbehrlich, keiner willkürlich erscheint. Das macht freilich noch nicht die Schönheit aus, aber eine wesentliche Bedingung derselben; die italienische Natur wie keine andere führt den Künstler darauf hin: klar, bestimmt und verständlich liegt sie vor ihm, unverhüllt von Dunst und Duft, wie er der nordischen Ebene wohl ihren Hauptreiz verleiht; nicht in ein ahnungsvolles Dämmerlicht versunken, sondern von einer leuchtenden Sowie umstrahlt und mit aller Pracht der Farben umkleidet." Eine solche Landschaft war es, in der Preller in Olevano schöne arbeitsvolle Tage verbrachte. Nach Weimar heim­gekehrt, erhielt er eine Stelle an der Kunstschule mit 150 Thlr. Gehalt; er ward ein kümmerlich gedrückter Zeichenlehrer, für dessen edel stilisirte ita­lienische Studien man kein Verständniß hatte. Da trat ihm Dr. Härtel, ein Leipziger Kunstfreund, fördernd entgegen, und für diesen führte er­zürn ersten Male (183234) seine Odysseelandschaften als Wandgemälde aus. Schätzung und Anerkennung fand er aber nur in den engsten j Künstlerkreisen; das Erhabene, Heroische, was die Seele seiner Kunst > ausmachte, lag der großen Menge fern. So theilte er, arm und ver- -

barer machte.Fast alljährlich," so schreibt uns Prellers Sohn, der Maler gleich dem Vater ist,gebrauchte er die Kur in Karlsbad und erfrischte sich dann regelmäßig durch einen Aufenthalt in Ilmenau, das er in Erinnerung seiner Jugendjahre ganz besonders liebte, und wo er durch die Anwesenheit seines Sohnes, des Scinitätsrathes Dr. Preller eine behagliche Häuslichkeit fand; oder er kam nach Dresden, wo zahlreiche Freunde, wie der Bildhauer Hänel, Ludwig Richter u. a., seiner warteten, mit denen er dann die weltberühmte Galerie durch­wanderte."

Im Jahre 1874 begann er sein letztes Werk; cs sollte die Ilias gleich der Odyssee illustrirt werden, doch entstanden nur vier Kohlen­entwürfe. Nachdem er 1876 zum vierten Male Italien besucht, be­gann er an zwei größeren Oelgemälden, ideale Landschaften, zu arbei­ten, aber auch diese blieben unvollendet.

Pecht, sein Biograph, der in denDeutschen Künstlern" Prellers Leben schrieb, sagt von dem auch durch prächtige äußere Erscheinung auffallenden Manne:Er war selber eine homerische Figur geworden, und man konnte sich den Laertes oder Nestor recht gilt in der Gestalt des alten thüringischen Löwen denken, wenn er so mit der Weißen Mähne und den dnnkelglühenden Augen wie eine Erscheinung aus anderer Welt durch die moderne dahinzog." Hat er jetzt die Schuld der Natur bezahlt, so wird ihm sicherlich auch die Nachwelt das Zeng- niß geben, daß er die deutsche Kunst um eine ihrer schönsten und edelsten Leistungen bereichert, ihr ein fast völlig neues Gebiet, das der heroischen Landschaft, erobert habe, in das niemand eintreten kann, ohne sich mächtig gehoben zu finden.