Heft 
(1897) 06
Seite
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Aünfziff Aaljre Karltljeatcr.

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Dekorationen und Kostüme waren elegant, geschmack- und stil­voll, und da immer Interessantes in vorzüglicher Weise geboten wurde und man sich vortrefflich unterhielt, gingen die Geschäfte glänzend. Um die Mitte des Jahres 1866 war Trenmnnn direktionsmüde. Er trat zurück, erschien aber 1867 achtzig­mal und im Jahre 1873 siebzigmalals Gast" im Carl- theater. Sonst spielte er nur noch für wohlthätige Zwecke und lebte als wohlhabender Privatier teils in Wien, teils in Baden, wo er am 18. April 1877 starb. Sein reges Interesse und seine Anhänglichkeit an das früher von ihm geleitete Theater bewies er, indem er für dasselbe zahl­reiche französische Stücke und Operetten übersetzte und bearbeitete.

Trenmanns Nachfolger in der Direktion war Anton Ascher, der als Mensch und Schauspieler in Wien sehr be­liebt mar und es auch als Direktor wurde. Er erösfnete das Hans am 1. September 1866 und trat am 30. Juni 1872 in den Ruhestand. Nur einmal spielte er noch für einen wohlthätigen Zweck. Ascher bewies viel Geschick als Bühnenleiter; man nannte ihn wegen seiner Intelligenz und seiner vornehmen Gebarung denDirektor für die gebildete Welt". Seine Neigung zog ihn zum Schauspiel und zum feinen Lustspiel hin; als kluger Geschüitsmann pflegte er aber auch die Operette und die Wiener Posse. Es herrschte ein guter Ton in seinem Theater, und alles atmete vornehmen Stil. Als Ascher die Direktion antrat, hatte er kein Vermögen, und als er am 21. April 1884 zn Meran ans dem Leben schied, hinterlies; er über 700000 Gulden, die er in nicht ganz sechs Jahren er­worben hatte.

Sein Nachfolger wurde Franz Jauner, der aus Dresden von Ascher nach Wien berufen war und sich als Schauspieler glücklich eingeführt hatte. Jauner führte das Theater mit unverändertem Programm und vekuniür gün­stige»; Erfolge. Die OperettenFatinitza",Madame Angot",Prinz Methusalem",Schönröschen",Girosle- Girofla", dann die StückeTricoche und Caeolet",Mein Leopold",Hasemanns Töchter",Fernande",Andrea", Tie Reise um die Erde in achtzig Tagen",Der Kurier des Zaren" und viele andre haben eine lange Reihe von Vorstellungen erlebt. Nach sechs Jahren trat Jauner zurück, da er mittterweile zum Direktor des Hofoperntheaters ernannt worden war.

Franz Tewele, der sein glänzendes Engagement im Stadttheater anfgegeben hatte, führte die Direktion vom 7. September 1878 bis 15. Februar 1882 mitheißem Bemühen", dann gab er den Kamps auf. Ein Komitee leitete die Saison glücklich zun; Abschlüsse. Friedrich Strampfer lavierte dann fünf Monate.

Karl Tatarczp, der Pächter des Herkulesbades inllngarn, ein braver Alaun, der jedoch nichts vom Theater verstand, setzte vom 1. Oktober 1884 bis zum 1. Juli 1887 80000 Gulden zn, dann kam Franz Steiner, der es auch nicht vermochte, das Unternehmen zn halten. Von; 1. August 1889 bis Ende Juli 1895 führte der frühere Direktor des Josefstädter Theaters, Karl Blasel, einer der beliebtesten Wiener Komiker, die Direktion des Carltheaters. Er hat sich sechs Jahre redlich geplagt, und als die Geschäfte ansingen, sich zu heben, steigerten die Hausbesitzer ihre Ansprüche, und Blasel ging.

Seit dem 4. Oktober 1895 ist Franz Ritter von Jauner wieder Direktor. Er ließ das Theater mit großen; Kosten- auswande neu Herrichten, brachte neue Komponisten, neue Dichter, neue Darsteller, stattete die Stücke mit verschwen­derischer Pracht aus, und so läßt sich hoffen, daß das Carltheater trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse wieder besseren Tagen entgegensieht. Tie letzten Erfolge sprechen

2, Rssncr.

burghausen au der Sahach.

Von

Kugo Arnold.

Mit Abbildungen von R. Pllttner.

LiMo an der brausenden Salzach die Säulen mit den bayrischen Hoheitszeichen wohl das Deutsche Reich vom befreundeten österreichischen Kaiserstaat scheiden, nicht aber die Grenzen des Bajnwarenstammes und des deutschen Volkstums markieren, da schmiegt sich auf schmaler Thal­sohle das schmucke Städtlein Burghansen an einen hoch­ragenden, burggekrönten Berg an. In gar mancher Hin­sicht kann es sich kühn mit seinen; Gegenfüßler, mit den; weltberühmten Rothenburg ob der Tauber, messen: in Be­zug ans landschaftlichen Reiz und den romantischen Zauber mittelalterlicher Architektur. Und doch besteht gerade hierin wiederum ein gewaltiger Unterschied. Während uns in; tief­eingerissenen Tauberthale und ans der Höhe des Muschel- kalkplateans die milderen Lüfte der Rebengelände umwehen, hat der rauschende Alpenstrom den frischen Odem des Hoch­gebirges ans seinen Fluten weit in das Flachland hinans- getragen, bis hierher, wo er den äußersten Moränenwall des Salzachgletschers durchbricht, und während die alte fränkische Reichsstadt uns das Bild bürgerlicher Macht, Wehrhaftigkeit und bürgerlichen Wohlstandes vor Augen führt, bietet uns Burghausen im Ring seiner hochthronen­den Mauern und Türme den stolzen Fürstensitz aus jenen Zeiten, da bei wachsender landesherrlicher Macht und blühender Kunst die alte trntzige Burg sich zum glänzenden, wegen der Unruhe der Zeiten aber immer noch stark be­schirmten Schlosse wandelte, unter dessen Schutz friedliche und betriebsame Bürger hausten. Allerdings teilt Rothen­burg noch eine Gemeinsamkeit mit Burghausen: beiden Städten hat der Gang des Geschickes ihr Hinterland ge­raubt, Burghansen durch Abtretung des Jnnviertels an Oesterreich vor mehr als eine»; Jahrhundert, und die Wunden, die diese politische Fügung geschlagen, sind nieder bei de»; einen noch bei dem andern verharscht.

Steile Felswände schließen das Thal ein, aus dessen enger Sohle die Salzach nordwärts strömt; nicht einmal für die Straße ist hier Platz. Dann macht der Fluß eine leichte Bogenwendung gegen Morgen, und hier springt von Norden gegen Süden eine schmale Bergzunge vor, die mit der Ostseite in die reißenden Wogen der Salzach taucht, indessen der westliche Hang von den leise unter»; Wind­hauch plätschernden Wellen eines lieblichen Sees, des Wöhr, bespült wird. In; Sommer tummeln sich fröhliche Schwimmer i»; smaragdenen Gewässer, eilige Nachen, von schöner Hand