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vr. I. Steinbeck.
Schloß Otto Heinrichs nach einem Stiche vom Jahre l.620.
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für einen Bürgerlichen 10 Krenzer, für einen
Adligen 1 Gulden. 3 Kreuzer reichten in der
ersten Zeit für wöchentliches Kostgeld eines Studenten aus.
Man hätte nun annehmen sollen, daß der Stadt Heidelberg die Einrichtung einer so stark frequentirten Hochschule höchst willkommen gewesen wäre; dem war aber durchaus nicht so. denn sonst hätte Ruprecht I., der Stifter, wohl nicht bei Verlust seiner Gnade und 60 Gulden Strafe und
Schadenersatz den Bürgern zu verbieten brauchen, daß sie den Studenten Gewalt zufügten. Auch
wäre die Vorsicht unnütz gewesen, den Magistrat alljährlich schwören zu lassen, daß er die Rechte der Universität nicht antasten wolle. Trotzdem brachen bald genug Unruhen aus, deren Spitze sich gegen die Studenten richtete. So hören wir von einem „Studentenkriege" vom Jahre 1406, den Kaiser Ruprecht persönlich stillte. Die Universität erhielt Genugthnung, jeder Angriff auf einen Studenten wurde mit Todesstrafe bedroht. Und doch mögen die Herren Studirenden oft genug die Provociren- den gewesen sein, wie man daraus schließen darf, daß sie ungefähr zur selben Zeit durch kurfürstlichen Erlaß ermahnt wurden, nicht in die Gärten oder Weinberge der Bürger einzubrechen. Auch Pfalzgraf Otto Heinrich hielt noch für nöthig, ihnen zu gebieten: „Keine Thüren zu erbrechen, nicht auf die kurfürstliche Jagd zu gehen, keine Fenster einzuwerfen, keine Thüren und Oefen zu zerbrechen, und wenn sie es doch gethan, sie wieder machen zu lassen."
Die folgenden Kurfürsten sorgten nach Kräften für die materielle Förderung der Universität. Ruprechtll. verfiel auf das originelle, dem Geiste der Zeit nicht fremde Mittel, seinen Professoren angemessene Wohnungen dadurch zu verschaffen, daß er die von seinem Vorgänger anf- genommenen Juden aus Heidelberg wieder vertrieb und ihre Häuser jenen überwies. Eines davon wurde auch zu einer „bnr8a" oder Wohnung für arme Studenten bestimmt und ist später zum Vorbilde für drei andere geworden.
Wie verhielt sich nun eorpns aeaäsinienni gegenüber dieser landesvüterlichen Fürsorge und Huld? Nicht besonders dankbar. Daß die Lehrmethode von Anfang an eine streng scholastische war, darf uns bei dem kirchlichen Charakter der Universität nicht wundern; erst unter Friedrich I. wurde den beiden Hauptrichtungen der Scholastik, dem Nominalismus und dem Realismus, die gleiche Berechtigung nebeneinander eingeräumt. Aber auch später verschlossen sich die Professoren ängstlich und engherzig jeder freieren Neuerung und während vom Schlosse herab, wo Philipp der Aufrichtige (1476 — 1508) die hervorragendsten Vertheidiger der neueren humanistischen Richtung, einen Dalberg, Agrieola, Renchlin, Celtes u. A. um sich versammelte, der neue Geist ungestüm an das verschlossene Thor der Universität pochte, waren deren Mitglieder ängstlich und eifersüchtig ans Ver- theidignng ihrer Privilegien gegen Stadt und Staat bedacht. Das wurde anders, als Otto Heinrich (1556—1559) zur Regierung kam. Der war ganz der Mann dazu, dem Geist der neuen Zeit in Religion, Kunst und Wissenschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Er selbst ein Gelehrter und Schriftsteller, ein Freund Fngger's, ein Gönner Bischer, Behaims, sprach den Entschluß ans: „Die Universität wieder empor zu bringen, und wenn es ihm auch den letzten Heller kosten sollte." Nur drei Jahre waren ihm zur Regierung in der Rheinpfalz vergönnt, sie genügten zur vollständigen Reformation von Kirche und Schule, wie zur Begründung zweier Denkmäler, die seinem Namen aus