Heft 
(1.1.2019) 12
Seite
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Alt Heidelberg, Du feine.

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Wellen des Neckars rauschen darin. Laß den Geist Perkeo's über Dich kommen, Freund, und folge mir!" Und der sonst so nüchterne, allem Ueber- maße abholde Freund war wie ich dem Zauber Heidelbergs erlegen; er folgte willig und bald saßen wir vor der vollen Flasche und lauschten dem Gespräche der frohen Gesellen, die nicht so bald in uns die Fremden erkannt hatten, als sie in rheinisch-pfälzischer Gastfreundlichkeit uns an ihren Tisch zogen. Wovon wir sprachen? Nun, wo­von spricht man in diesen Sommer­tagen in Heidelberg anders, als von der Universität und ihrem bevor­stehenden Jubelfest. Einer war dar­unter, ein Jünger der Historie und Privatdocent an der Universität, dem ging der Mund über von dem, wo­von sein Heidelberger Herz voll war, und in der Geschwindigkeit las er uns ein Privatissimum über die Ge­schichte der geliebten Ruperto-Caro- liua. Nachgeschrieben habe ich's nicht, aber nacherzähleu will ich's, so gut ich kann, und sollten die Herren Historiker Ungenauigkeiteu oder gar Falsches in meinem Berichte entdecken, so will ich von vornherein den Herrn Privatdoeenten und mich salviren.

Daun ist Schuld daran allein der Geist Perkeo's, des Wächters vom großen Heidelberger Faß, der kichernd hinter meinem Stuhle stand und fort­während von Neuem mein Glas füllte, sobald ich es nur ausgetrunken hatte.

Auf sein weinseliges Haupt dann allein die Schuld!

Heidelberg ist, wie alle unsere deutschen Universitäten mittelalterlichen Ursprunges, im Anfang eine theolo­gische Anstalt gewesen, deren Profes­soren ausschließlich Priester oder Ordensgeistliche waren. Kurfürst Rup­recht I. erbat und erhielt nnter dem 23. Oktober 1385 vom Papst Urban II. die Genehmigung zur Einrichtung eines Geueralstudiums in der Stadt Heidel­berg, die wegen ihrer gesunden Lage und Luft und wegen ihrer frucht­baren Umgebung zu einer solchen allgemeinen Quelle der Wissenschaften vorzüglich geeignet sei." Kanzler wurde der Bischof von Worms. Als­bald berief Ruprecht den früheren Universitätslehrer Marsilius von Jnghen, um die Statuten für die

Universität,seine geliebte Tochter", zu entwerfen, und am 18. October 1386 wurde diese eröffnet. 579 Zuhörer ließen sich gleich im ersten Jahre einschreiben, daneben aber weilte keine geringe Anzahl nicht imma- trikulirter Studenten in der Stadt. Die einzelne Vorlesung kostete je nach der Studentenzahl 1 8 Groschen, die Jmmntrikulationstaxe betrug

Statue Ruprechts I., des Gründers der Heidelberger Universität.